Deutschland, nein danke?

Ich muss vorab gestehen, dass auch wir – angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen – schon einmal vage daran gedacht hatten, unsere Restlaufzeit woanders zu verbringen. Es gibt aber auch gute Gründe, dies nicht zu tun.

Wie ich drauf komme? Nun ja, es war eine ausufernde Debatte in einer FB-Gruppe, in der es vor allem um Urlaub in Nordamerika geht. Da sind manche Leute ein Mal in den USA, kommen zurück und finden hier alles scheiße. Mich erinnert das an einen Jugendfreund, der in den 70ern nach Berlin zog. 5 Monate danach kam er zu Besuch und behauptete, er könne kein Schwäbisch mehr. (Das sagte er übrigens auf Schriftdeutsch, mit sehr starker Remstäler Färbung)

So ähnlich kommen mir manche USA-Touristen vor, die sich nach 2 Wochen Florida oder California als natural born Americans fühlen. Keine Frage, das Land ist toll, nicht von ungefähr waren wir schon mehr als ein Dutzend Mal drüben. Nur, es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man ein paar Wochen in bester Urlaubsstimmung die Naturwunder des Westens bestaunt, oder ob man drüben sein Brot verdienen muss. Auf Details möchte ich nicht eingehen, nur vielleicht so viel: Wenn man viel Geld hat, kann man fast überall gut leben. Antidrepessiva wirken am besten, wenn man sie auf der Terrasse der eigenen Villa in Malibu einnimmt.

Wir haben es der Ausbildung und unseren guten Jobs in Deutschland zu verdanken, dass wir uns diese Reisen überhaupt leisten können. Und unser Gesundheitssystem sorgt dafür, dass wir die Reisen gesund antreten können.

Es mag sein, dass die Menschen anderswo cooler wirken. Das liegt aber oft daran, dass sehr viele Urlauber die Landessprache nur unzureichend oder gar nicht verstehen.

Mir geht es doch genauso. Ich bin geflasht, wenn ich nach einer Irland – USA – oder Australien – Reise wieder auf der deutschen Autobahn, oder in einem Supermarkt bin.

Das ist allerdings noch lange kein Grund, hier alles in Bausch und Bogen zu verdammen. Solange hier keine blaue Partei regiert, kann man hier gut und gern leben. Die meisten Auslandsdeutschen kommen übrigens dann zurück, wenn sie kurz vor Pflegestufe 1 sind.

Wir bleiben erstmal.

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