Datenschutz-Grundverordnung: ABM für arbeitslose Juristen?

In der Community der Berufs-und ambitionierten Hobbyfotografen herrscht helle Aufregung.

Soviel ich aus diesem Artikel verstanden habe, fing der ganze Schlamassel mit Einführung der digitalen Fotografie an. Da wird nämlich nicht nur einfach ein Bild geknipst (das Wort mögen Fotografen ü b e r h a u p t nicht), sondern: Es werden Daten erhoben. Welcher Tag, Ort (gps), Uhrzeit etc.p.p. Das alles lässt sich mit der rechten Maustaste unter der Rubrik „Details“ erkennen. Apropos erkennen: Über die Google Gesichtserkennungs-Funktion lässt sich für Jeden auslesen, um wen es sich handelt. Wenn der technische Fortschritt so weitergeht, kann man in absehbarer Zeit auch Blutgruppe, sexuelle Präferenz, politische Einstellung usw. erkennen.

Gut, niemand will sein Konterfei sehen, wie er gerade aus dem Puff, oder meinetwegen aus einem Andrea Berg Konzert kommt, bei peinlichen Situationen eben. Halbtot auf der Straße neben seinem Autowrack von irgendwelchen Idioten abgelichtet zu werden, auch das wünscht man sich nicht unbedingt.

Wer allerdings künftig auf Klassentreffen fotografiert, bewegt sich juristisch auf ganz dünnem Eis, zumal dann, wenn sich unter den ehemaligen Klassenkameraden Anwälte befinden. Analog fotografieren geht seltsamerweise, denn da werden keine Daten erhoben. Allerdings darf man auch diese Aufnahmen nicht so einfach mal im Internet veröffentlichen.

Wie ich gehört habe, nützt es nicht einmal etwas, die Personen unkenntlich zu machen, durch Verpixelung, oder Balken überm Gesicht. Das kann nämlich von Experten wieder in aufwändiger Arbeit rückgängig gemacht werden. Und es wimmelt ja nur so von IT-Spezialisten, die nichts Anderes zu tun haben.

Wenn ich nun, sagen wir mal, das Brandenburger Tor fotografieren will? Menschenleer ist das bestenfalls morgens um halbdrei, aber da ist das Licht scheiße…die Menschen mit Photoshop mühsam entfernen wäre eine Möglichkeit! Erschwerend kommt hinzu, dass man sich vorher erkundigen sollte, ob man besagtes Bauwerk überhaupt ablichten darf? Den Pariser Eiffelturm zum Beispiel, den darf man tagsüber fotografieren. Nachts jedoch nicht, denn da ist er farbig illuminiert, und hier kommen nun wieder die Urheberrechte des Lichtkünstlers zum Tragen.

Hochzeiten, Konzertveranstaltungen, Sportereignisse? Gaaanz schwierig.

Auszug aus dem verlinkten Artikel:

Hochzeitsfotografen haben einen Vertrag mit dem Hochzeitspaar und dürfen es fotografieren. Diese Erlaubnis wird nach dem Wortlaut dann aber nicht für die Hochzeitsgäste gelten!

Sportfotografen, die im Auftrag eines Vereins die Sportler bei einem öffntlichen Wettkampf ablichten, werden sich bezüglich der Sportler auf eine Einwilligung oder den Vertrag berufen dürfen. Dies gilt aber nicht für Zuschauer, die unter Umständen zufällig mit aufs Bild geraten!

Konzertfotografen, die im Auftrag einer Band/eines Konzertveranstalters/Labels etc. ein Konzert fotografieren, werden sich bezüglich der Band-Mitglieder wohl auf den Vertrag berufen können. Dies gilt aber nicht für Zuschauer des Konzerts.

Man könnte dem natürlich entgegenwirken, wenn man mit dem Erwerb einer Eintrittskarte, oder dem Erhalt einer Einladung sein Einverständnis zur (zufälligen) Ablichtung seiner Person abgibt. Am besten noch notariell beglaubigt.

Man kann aber auch darauf warten, dass Lobbyisten der Fotoartikel-Industrie auf den Gesetzgeber dahingehend einwirken, das Gesetz – zumindest für den öffentlichen Raum – zu entschärfen.

Man könnte auch einen lukrativen Nebenerwerb daraus machen: Sich überall in Pose werfen, und die Hobbyfotografen hinterher auf Schadensersatz verklagen. Ich denke da grade drüber nach, das würde meine schmale Rente hübsch aufbessern.

Bis dahin. Nur noch Selfies, vor einer kahlen Wand. Damit weder zufällig ins Bild geratene Personen, oder urheberrechtlich geschützte Grafitti zu sehen sind.

Anbei ein Beispiel, wie eine schöne Innenstadtaufnahme ohne rechtliche Konsequenzen aussehen könnte.

Der Staat, fragen Sie? Ja, der darf natürlich. Dient alles Ihrer Sicherheit.

(Ich hoffe, dass niemand die Rechte an den Farben Schwarz und Weiss besitzt.)
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5 Gedanken zu “Datenschutz-Grundverordnung: ABM für arbeitslose Juristen?

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