Gibt es eine deutsche Kultur, und wenn ja, warum nicht?

Die Überschrift ist etwas launig gehalten, und Mancher wird diese Art Humor nicht verstehen, aber das ist exemplarisch für das Thema. 

Der Herr Gauleit….Entschuldigung, Gauland hat sich vehement dagegen verwahrt, sich von der Staatsministerin Özugus seiner deutschen Kultur berauben zu lassen. (Gauland sagte laut FAZ bei einer Wahlveranstaltung in Eichsfeld, man werde Staatsministerin Özoguz „in Anatolien entsorgen können“.)

Doch genug des braunen Gewäschs. Gibt es eine spezifisch deutsche Kultur? Fragt man einen amerikanischen Durchschnittsbürger, dann ja. Sie besteht aus Sauerkraut, Sepplhosen und Kuckucksuhren. Und Rothenburg o.d.T. Witzigerweise gibt es die USA (4. Juli 1776) schon wesentlich  länger als Deutschland in Form eines Nationalstaates (18. Januar 1871) 

Es gab freilich Kulturschaffende wie Bach oder Beethoven, sowie Schiller und Goethe, (zu deren Lebzeiten ein Deutschland überhaupt noch nicht existierte) die von allen Deutschen gern vereinnahmt werden. Allerdings besteht Kultur nicht nur aus Kunst, sondern – und vor allem – aus Brauchtum. Und da wird’s schwierig. Dem Friesen ist eine pfälzische Kerwe weitestgehend fremd. Der Bayer kann mit Bosseln oder Klootschießen nix anfangen. Dem Mecklenburger (bitte das Dehnungs-E beachten, es spricht sich Meeklenburg) erscheint  das Schuhplatteln und Alphornblasen als sehr fragwürdig, und wo der Sachse laut jammert, leidet der Saarländer still vor sich hin. Das alles ficht den Kölner nicht an, denn der ist in der Regel damit beschäftigt, sich ein Kostüm für die nächste Karnevalsession auszusuchen.(Sofern grad‘ kein Rosenmontagszug ansteht)

Wenn wir Schwaben die mangelnde Bereitschaft zur Durchführung der Kehrwoche in Berlin (eine schwäbische Exklave) anprangern, droht man uns Prügel an. Nicht einmal Weckla gibt es dort, dort heißt es „Schrippen“. In Hamburch gar „Rundssstücke“

Was uns in erster Linie vereint ist die gemeinsame Sprache, die wir nicht zuletzt Martin Luther zu verdanken haben. Vorher schrieb Jeder wie’s ihm passte. (Was im Moment ein paar Bildungsrevoluzzer wieder in der Grundschule einführen wollen. ..ich sag dazu mal nix)

Was vereint uns noch? Der Pass, die Staatsangehörigkeit, die Reiselust (wir dürfen ja selbstverständlich fast überall hin) und die morgendliche Liegestuhlreservierung mittels Handtuch auf Mallorca. Sonst bleibt nicht viel. Auch gibt es einige Mitbürger, die etwas noch mehr hassen als Migranten. Nämlich andere Deutsche.

Zusammenfassend möchte ich zur Debatte stellen, dass es zwar viele Kulturen in Deutschland gibt, aber eben keine Allumfassende. 

Das beste Beispiel, dass es keine spezifisch deutsche Kultur gibt ist die Tatsache, dass wir uns zwar 16 regionale Kultusminister leisten, aber keinen Einzigen in der Bundesregierung.

Das war das Wort zum Sonntag…..das gehört auch zu den gemeinsamen kulturellen Errungenschaften. 

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Über schwabenkrawall

Musiker, Freidenker, Schelm, Schreiberling
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2 Antworten zu Gibt es eine deutsche Kultur, und wenn ja, warum nicht?

  1. gnaddrig schreibt:

    Das beste Beispiel, dass es keine spezifisch deutsche Kultur gibt ist die Tatsache, dass wir uns zwar 16 regionale Kultusminister leisten, aber keinen Einzigen in der Bundesregierung.

    Sehr schön beobachtet. War mir so noch nie aufgefallen, stimmt aber. Darauf ein Feierabendbier 😉

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