Tanzen? Ich? Es gibt andere Möglichkeiten, mich zu blamieren.

Ich tanze nicht. Nie. Keinen Schritt. Wie ich drauf komme? Ich habe bei der verzweifelten Suche nach einer vernünftigen Sendung sämtliche 150 verfügbaren Sender durchgezappt, und in jedem gefühlten Zweiten kam diese Freitagabendtalkshow mit Schöneberger&Co. Und da war eine Motsi Mabuse am Reden. Und die raisonierte darüber, dass der deutsche Mann in Sachen Gesellschaftstanz Nachholbedarf habe.

Das mag sein. Und wer tanzen will, der darf das gerne tun. Soll ja auch gesund sein. 

Ich habe nichts gegen tanzen per se, solange sich andere in dieser Kunst üben. Gut, ich bin ja tatsächlich von einer eher sperrigen Grandezza, aber weshalb sich wirklich  alles in mir gegen diesen vertikalen Ausdruck eines horizontalen Verlangens sträubt, liegt weit zurück im Dunkel meiner Jugend.

15 war ich, voller Pickel, 1,80 mit ca. 55kg. Jetzt also nicht unbedingt der Typ, dem die Mädchenherzen zuflogen. Tatort war die örtliche Tanzschule meiner Heimatstadt. Tatbeteiligte waren meine Tanzpartnerin sowie eine andere junge Dame, mit der ich Rücken an Rücken stand. Es sollte der „english waltz“, also der langsame Walzer geübt werden. Außer uns befanden sich ca.40 Gleichaltrige im grell beleuchteten Tanzsaal. 

Nun ist es beim langsamen Walzer so, dass der Herr mit dem rechten Bein (es kann auch das Linke sein, das hätte am Fiasko nichts geändert) einen Schritt nach vorn, und die Dame logischerweise mit dem linken Bein einen Schritt nach hinten macht.

Wie schon erwähnt stand in meinem Rücken das andere Paar. Sie war eine grobknochige Person, deren Namen zu nennen mir der Anstand verbietet. Er war ein Schulkamerad, der ebenfalls unerwähnt bleiben soll. 

Wie auch immer: Wenn die hinter mir Tanzende mit dem linken Bein einen Schritt nach hinten gemacht hätte, wäre nichts passiert. Vielleicht hätte ich sogar eine Karriere als Eintänzer im Café Keese oder in Clärchens Ballhaus gemacht, wer weiß? Das tat sie aber nicht. Sie begann mit dem rechten Bein und trat mir – der ich gerade in der Vorwärtsbewegung war – mit dem Pfennigabsatz ihres Stöckelschuhs genau zwischen Socke und Schuhleder meines linken Fußes. Nagelte mich gewissermaßen auf’s Parkett. 

Ich mach’s kurz. Ein Sturz war unvermeidlich und Sekunden später lag ich platt auf Rücken und sie lag auf mir. Mitten im Saal. Die Meute brüllte vor lachen, ich wälzte mich unter der Dame hervor und rappelte mich hochroten Kopfes auf. Ich verließ im Eiltempo die Stätte der Schmach und ward von Stund an dort nicht mehr gesehen.

Sollten Sie weiblichen Geschlechts sein und mich zufälligerweise auf einem Tanzvergnügen treffen, fordern Sie mich um der Liebe Christi willen nie zum Tanz auf. Ich werde Ihnen – mit einer faulen Ausrede bzgl. eines schweren Hüftschadens – in jedem Fall einen Korb geben. 

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Über schwabenkrawall

Musiker, Freidenker, Schelm, Schreiberling
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Eine Antwort zu Tanzen? Ich? Es gibt andere Möglichkeiten, mich zu blamieren.

  1. premvinayaka schreibt:

    Die „Tanzschule Sämmer im Deutschen Theater“ wird mir auch für immer in traumatischer Erinnerung bleiben 🙂 Ich war 14 und das Durchschnittsalter der Mit-Tänzer(innen) so um die geschätzten 16 … Muss ich noch mehr sagen … ??? Also: Gesellschaftstänze gestrichen! Aber mir deshalb das Tanzen an sich vermiesen lassen: neeee !!! Erst noch der eine oder andere „Schieber“ in der Jugendgruppe und dann ab in die regional verrufenste Disko, wo jeder für sich allein tanzte, aber eben alle zusammen. So hab‘ ich das bis heute gehalten. Und jetzt räumen wir gerade meinen Speicher um, damit wir (zumindest m Sommer) unseren eigenen „Tanzsaal“ haben und dann geht’s ab !!! 🙂 !!! Es ist einfach die einfachste und gesündeste Art, „in Bewegung zu bleiben“ (neben etwas anderem, das aber schon ein Weilchen her ist …) 🙂 🙂 🙂

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