Archiv für April, 2017

Referendum Türkei. Fremde Heimat. 

Veröffentlicht: April 19, 2017 in Politik, Religion, Volksverdummung
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Meine Altvorderen kamen aus Serbien und Kroatien, wo die Familien seit Jahrhunderten als sog. „Reichsdeutsche“ lebten. Für die meisten Familienmitglieder war serbisch oder kroatisch eine Fremdsprache. Man blieb deutsch und war stolz darauf. „..sind wir stolz darauf, den Assimilierungsversuchen durch die Einheimischen erfolgreich widerstanden zu haben…“(Auszug aus dem Heimatbuch meiner Mutter) Dass meine Uroma einen Serben geheiratet hatte, wurde schamhaft verschwiegen. Immerhin konvertierte dieser zum Katholizismus, worauf er von seiner Familie verstoßen wurde.

Anno 33 fühlte man das deutsche Herz besonders heftig pochen, man war wieder wer. Man hatte einen starken Mann in der fernen Heimat und der Schlachtruf hieß:“Wir wollen heim ins Reich“. (Was bedeuten sollte, dass Jugoslawien dem deutschen Reich einverleibt werden sollte) Wie es ausging ist hinlänglich bekannt und der Ruf hieß nun: “ Wir wollen heim, uns reicht’s“. Ging aber nicht mehr. Die Familien befanden sich mittlerweile in Deutschland, in dem sich Oma und Uroma mit ihren schwarzen Kopftüchern sehr deplatziert fühlten. Man war schockiert, ob der Gottlosigkeit in der Heimat. Das „Jessmariaunjosef“ meiner Omas habe ich noch heute im Ohr.

Nun liegt mir nichts ferner, als Erdogan mit Hitler zu vergleichen. Außer den Autobahn – und den Protzbauten haben sie nicht viel gemeinsam. Hitler war ein Massenmörder, eine Bestie in Menschengestalt, Erdogan ist „nur“ ein narzistischer Autokrat. Ein Vergleich wäre außerdem eine unzulässige Relativierung des Holocaust.

Anyway, er ist der starke Mann für den Großteil der hier lebenden muslimischen Türken.(Aleviten und Kurden nehme ich mal bewusst aus). Man meint, es den Deutschen heimzahlen zu können, indem man mit „evet“ stimmt. Nicht nur den Deutschen, auch den Österreichern, den Belgiern, Holländern etc. Verblüffenderweise klappte die Integration in der Schweiz wohl besser, dort stimmte nur eine Minderheit für Erdogan.

Richtig, die Integrationsprobleme sind unübersehbar (wie bei meinen Altvorderen in Jugoslawien), aber ob dieses Referendum ein Mittel zur Besserung derselben ist, ist mehr als nur zweifelhaft.

Auf Facebook griff mich ein junger Türke an:“Was mischst Du Dich ein, was weißt Du von der Türkei??“ Ich habe mich auf den Disput eingelassen und es stellte sich heraus, dass er vor 35 Jahren hier geboren wurde. In den letzten 15 Jahren war er genau 5 mal in den Sommerferien in Anatolien gewesen. Istanbul und Ankara kannte er nur aus dem Fernsehen. Irgendwie wusste er über die Türkei auch nicht mehr, als meine Vorfahren über Deutschland wussten.

Im Gegensatz zum damaligen Deutschland sind Städte wie Istanbul und Ankara weltoffen. Die Wahlergebnisse in den Metropolen sprechen für sich und die Auslandstürken waren das Zünglein an der Waage. Ohne diese Stimmen wäre Erdogans Plan krachend gescheitert. 

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet Diejenigen, die im sicheren Ausland leben, ihren Landsleuten daheim eine Autokratie + Todesstrafe beschert haben. Wäre ich ein Demagoge, würde ich sagen „Dann geht doch zu eurem Sultan“. Bin ich aber nicht. Bleibt hier und schaut aus sicherem Abstand auf ein Land, in dem qua Definition Erdogans die Hälfte der Bevölkerung aus Terroristen/Antiislamisten oder Gülenanhängern besteht. Viel Spaß dabei.

Achja: „Ein starkes Volk braucht keinen Führer“

Es ist gewählt: Habemus dictatorem. Soweit, so schlecht. Über die Rechtmäßigkeit der Wahl wird zwar gestritten werden, was aber nichts am Ergebnis ändern sollte. 

Immerhin war fast jede zweite Stimme gegen die Verfassungsänderung, wobei das nicht bedeuten muss, dass die Gegner des Referendums auch gegen Erdogan sind. Immerhin ist das Land nun genau in der Mitte gespalten und ich bin froh, dass die Mütter und Väter unsererer Verfassung für eine Änderung derselben eine Zweidrittelmehrheit vorgesehen haben. (Doch, liebe VSTler, wir haben eine Verfassung. Sie nennt sich „Grundgesetz“)

Anders das Ergebnis in Deutschland: Hier stimmten 63% der Wähler für Erdogans Plan. Und nun geht der Tanz los. Übelste Beschimpfungen und Bedrohungen zwischen Deutschen und Evet-Türken, sowie zwischen Türken untereinander sind die Folge. Wohin das noch führt, mag ich mir garnicht ausmalen. (Nebenbei bemerkt: In der Schweiz lebende Türken haben mehrheitlich gegen Erdogan gestimmt, woran das wohl liegt? Ich weiß es nicht..schweizer Ergebnisse)

Und nun lese ich in verschiedenen linken Foren, man dürfe ja nun nicht gleich alle in Deutschland lebenden Türken über einen Kamm scheren, schließlich hätten 50% überhaupt nicht gewählt. Hä? Was ist das denn für einen Argumentation? So argumentieren gewöhnlich Reichs – und sonstige besorgte – Bürger, wenn es um die Legitimation der gewählten deutschen Regierung geht. Da 30% Nichtwähler Merkels Partei nicht gewählt hätten, sei sie unrechtmäßig Kanzlerin. Und nun kommt von Linken so ein hanebüchener Blödsinn, weils gerade in den Kram passt.

Es ist müßig darüber zu spekulieren, wieviele denn nun für Hayır oder Evet gestimmt hätte, wenn sie denn gestimmt hätten. Ham se aber nicht. Offensichtlich war ihnen die Abstimmung egal. Dabei war es diesmal ganz einfach, keine Parteien, nur JA oder NEIN. Nicht einmal ein „Vielleicht“ oder „Ist mir egal“, wie bei den Telefonabzockabstimmungen in den Vollpfostenprogrammen.

Fazit:Wer bei einem solchen Referendum  nicht mitmacht hat auch kein Recht zu meckern, oder in eine virtuelle Statistik einzufließen. Fertig! 

**B.Kleiner

Sehr lustig, Herr Kleiner…natürlich geht das. Wenn man will. Ohne wollen geht’s auch, aber halt nicht arg lang. „Kein Alkohol ist auch keine Lösung“? Naja, für mich schon, denn meine Prognose mit Mitte 20 lautete:“ Bestellen Sie sich schon mal einen Sarg“ (Stabsarzt Schultz anläßlich der Nachmusterung in seinem Resümee). Untauglich zum Dienst an der Waffe! Das war im Übrigen das einzig Positive, das mir die Sauferei bescherte.

Wie ich drauf komme? Nun, erstmal ist da das Jubiläum, zum anderen lese ich momentan im Focus einen Artikel, wonach jeder Deutsche per anno ca. 1 Putzeimer reinen Alkohol in sich hineinschüttet. Durchschnittlich wohlgemerkt. Meinen Eimer und den der vielen anderen Abstinenzler oder Wenig-Trinker muss ja jemand anders mitsaufen. Zum 3. die ewige Streitdiskussion (im Moment in einer FB-Gruppe meiner Frau) „Alkohol vs. Cannabis“. Ich kiffe nicht und will auch Drogen jedweder Art nicht das Wort reden (zu den Drogen zähle ich selbstverständlich auch den Alkohol und zwar an vorderster Stelle, weshalb mich die Schlagzeile „Alkohol und Drogen“ immer wieder auf die Palme bringt) aber trotzdem empfehle ich hier die Ausführungen des Berliner Jugendrichters Andreas Müller zu lesen:

Müller: Cannabis wird Deutschland garantiert friedlicher machen. Wenn wir auf einen Schlag alle Trinker, von denen es ja Millionen gibt, gegen Kiffer austauschen könnten, hätten wir in der Bundesrepublik kaum noch Probleme mit Aggressionen. Der Alkohol ist unser größtes Problem. In all meinen vielen Jahren als Jugendrichter hatten praktisch alle Gewaltdelikte mit Alkohol zu tun, aber nicht eins war auf alleinigen Cannabis-Konsum zurückzuführen. Wahrscheinlich könnte Gras selbst Nazis helfen: Die wären zu träge, um ihre Springerstiefel in Bewegung zu setzen und fänden nach einem Joint plötzlich alle Menschen nett.

Hier der ganze Artikel 
Mehr gibt’s dazu von meiner Seite nicht zu schreiben. Außerdem hatte das schonmal hier thematisiert. https://schwabenkrawall.wordpress.com/2014/10/25/teufel-alkohol-ein-personlicher-ruckblick/

Achja, eh‘ ich drauf vergesse: Ich bin kein Missionar, Gelbkreuzler oder sonst was. Ich gönne jedem das, was er glaubt sich einverleiben zu können. Und solange er in besoffenem Zustand weder Auto fährt noch Leute misshandelt, geht mich das auch nichts an. 

Liebe türkische Mitbürger:

Veröffentlicht: April 9, 2017 in Sonstiges

solange diese Drecksäcke nur sich selbst in die Hölle sprengen. Gut, ihre Gesinnungsgenossen dürfen sie gern mitnehmen, ebenso Massenmörder vom Schlage eines Assad. Wieder hat so ein „Gotteskrieger“ zugeschlagen, diesmal in Stockholm. By the way: Ich frage mich, was wohl Gott (so es ihn denn gibt) zu diesem Missbrauch seines Namens sagt? Vermutlich „Scheiß-Religionen! Wozu habe ich diesen Vollidioten eigentlich die Gebote gegeben? Da steht nichts von, „Du sollst Deinen Nächsten in die Luft sprengen oder mit einem LKW plattwalzen.“

Nun las ich heute einen Rechtfertigungsversuch mit dem Tenor:“ Der Westen hat es nicht anders verdient, im nahen Osten, Afrika und anderswo würden ja schließlich auch Unschuldige sterben“ 

Stimmt. Und gern dürfen die Sprengstoffgürtelträger auch die Schweine mit in die Hölle nehmen, die die Gewaltherrscher dieser Welt mit Waffen beliefern. Immer zu, mein Mitleid hält sich in engen Grenzen.

Aber glaubt auch nur einer dieser religiös verblendeten Idioten, durch einen LKW, der eine blutige Schneise durch eine westliche Metropole schlägt, würde auch nur ein einziges unschuldiges Opfer in Syrien wieder lebendig? Im Gegenteil, die Hassspirale dreht sich weiter, die braunen Rattenfänger reiben sich die Hände. Populisten weltweit jubeln, Europa löst sich auf und Merkel ist an allem schuld. 

Trump rüstet gegen Assad, also gegen Putin und es wird immer schwieriger nachzuvollziehen, wer wen warum killt. Irgendwie alle gegen den IS, aber irgendwie auch alle gegeneinander. Ich bin verwirrt, ob dieser Konfusion.

Ich sollte es aufgeben. Die Welt leidet an akutem Selbstzerstörungstrieb. Man wartet eigentlich nur noch auf den ganz großen Knall.