Dieselfahren ist das neue Rauchen. Deutschlands Götterdämmerung.

Gleich vorweg: Auch ich fahre einen Diesel. Keinen, der des Betrugs überführten Marken, aber weshalb sollte Renault ehrlicher sein als VW und Mercedes? Nein, vor 4 Jahren dachte ich noch, dass ein Diesel nicht ganz so schmutzig wie ein Benziner ist. Und habe dafür 25% mehr bezahlt als für den gleichen Wagen mit Benzinmotor. Man hat uns schlichtweg angelogen. 

Deutschland hat’s verschifft, hat den Zug verpasst. Wie es so schön heißt:“Der Erfolg ist der Feind des Fortschritts“. Daran sind schon andere Dinosaurier verreckt, zuletzt die amerikanische Autoindustrie. Aus der reichen Motown Detroit wurde das Armenhaus Amerikas. Und Stuttgart sowie Wolfsburg werden denselben Weg gehen, weil der Diesel so erfolgreich war. Erfolgreich natürlich nur durch Beschiss, das zeigt der 1. Film ganz deutlich. Ob man nun in Stuttgart den Feinstaub und die Stickoxyde in 3 Metern Höhe misst (und selbst dort überschreiten sie um ein Vielfaches die Grenzwerte) statt in Atemwegshöhe, oder ob sich die Politik von der Autolobby am pekuniären Nasenring durch Brüssel ziehen lässt: Wir Deutschen haben Erfahrung mit verrückten Durchhalteparolen, aber der Diesel ist genau so zum Scheitern verurteilt wie der Verteidigungsring um Berlin 1945. Ich frage mich nach diesen beiden Reportagen, wieso eigentlich unsere Industrie so vehement für CETA und TTIP eintritt? Die Kritiker von Links und Grün verweisen gern auf unsere Standards und vergessen dabei WO der Schwindel aufgeflogen ist. Im bösen Amerika. California hat die schärfsten Umweltgesetze der Welt. Man hat es dort geschafft, die Luft reiner zu machen. Das geht nämlich. Als ich vor mehr als 30 Jahren das erste Mal in California war, konnte man morgens in L.A. die Hand vor Augen nicht sehen. Als wir dieses Jahr im April dort waren, wurden wir in San Francisco beinahe von E-Cars überrollt, wei die so leise sind. Überall Hybrid- oder reine Stromautos. Teslas. Das Gleiche in Norwegen im August. Tesla nach Tesla. Keine Sau frägt nach Reichweiten, jeder Supermarktparkplatz hat E-Zapfsäulen. Dort wird seit Jahren in die Strom-Infrastruktur investiert.

Gestern sagte der Auto-Cheflobbyist Matthias Wissmann (der praktischerweise von 93-98 Verkehrsminister war) „Der Verbrennungsmotor wird auch 2030 noch eine große Rolle spielen.“ Das kann sein. In Zentralafrika, wohin wir all unsere Abfälle exportieren. Aber ganz sicher nicht mehr in den USA und schon gar nicht im wichtigsten Markt, in China. Die bauen uns vor, was wir versäumt haben. Die wichtigsten Fachleute  – abgeworben von VW&Co. –  aus Deutschland befinden sich bereits im Reich der Mitte, weil sie den Zug der Zeit erkannt haben. Das hat die deutsche Automobilindustrie natürlich auch, aber es ist zu spät und zu teuer für eine Umstellung. Wie bei den Sauriern. Die sind gewachsen und gewachsen, weil’s so lange so gut klappte und schrumpfen ging nicht mehr, als es eng wurde.

„Herr Wissmann, von Schwob zu Schwob:  Sie wisset doch au, dass 2030 auf jedem Diesel ein Bäpper mit einem Schockbild ischt, auf dem steht:“Dieselfahren fügt Ihnen und Ihrer Umwelt Schaden zu“. Aber das ist Ihnen egal, da sind Sie 81, gell?“

Wir sind nicht nur zu blöd, einen Flughafen zu bauen. Das ist nur ein Symptom der deutschen Krankheit. Und die heißt: Überheblichkeit, gepaart mit Ignoranz, Schwerfälligkeit und Selbstgefälligkeit. 

Rette sich wer kann. Ich kann’s nicht mehr.

Hier, schaut’s Euch an. Gestern lief das natürlich ganz ganz spät, damit ja niemand verunsichert wird.

Das Märchen vom sauberen Auto

Autoland ist abgebrannt.

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Über schwabenkrawall

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2 Antworten zu Dieselfahren ist das neue Rauchen. Deutschlands Götterdämmerung.

  1. dermixer schreibt:

    Na ob das elektroauto wirklich die zukunft ist… Strom kommt ja bekanntlich aus der steckdose. Laut expertenmeinung ist s eine übergangstechnologie. Sprich, wir haben da jetzt schon so viel in die forschung gesteckt, jetzt muss es auch unters volk gebracht werden. Vieleicht haben wir ja schon das nächste ablöseprodukt in der schublade. Die machen wir aber erst auf, wenn wir genug kohle mit dem elektroauto gemacht haben.

    • schwabenkrawall schreibt:

      Das sei mal dahingestellt. Aber der Diesel ist ganz sicher nicht die Zukunft. Im Ernst, wir sind sehr viel rumgekommen in diesem Jahr. Und überall fahren E-Autos. In Norwegen mit Strom aus Wasserkraft.

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