Genscher: „De mortuis nil nisi bene?“

Nichts außer Gutes über die Toten? Nachdem ich heute vom Tode Genschers erfahren hatte, fiel mir nur ein, dass eine junge Deutsche in Argentinien brutal gequält und ermordet wurde, weil Leute wie Genscher nicht bereit waren sie zu retten. Was möglich war.
Ich weiß: nachtreten ist nicht fair, aber er war halt nicht nur der Außenminister der Einheit.

Der Fall Käsemann und der deutsche Schweinestaat.

Das ist kein Nationalspieler-Bashing. Im Gegenteil. Ich war sehr überrascht – um nicht zu sagen beeindruckt – von den Aussagen Sepp Maiers, Paul Breitners oder K-H Rummenigges.
Gut, von Breitner jetzt nicht so, der war immer schon als kritischer Geist bekannt.
Bei mir kam viel hoch, als ich die Reportage in der ARD sah.
Sie handelt von einer jungen Frau, deutsche Staatsbürgerin, zwar regimekritisch aber meilenweit davon enfernt, eine Terroristin zu sein. Die Terroristen saßen zu jener Zeit im Regierungspalast in Buenos Aires……und die Helfershelfer dieser menschenverachtenden Junta saßen in Bonn, bzw. in der deutschen Botschaft in Argentinien. Elisabeth Käsemann wurde eingesperrt, bestialisch gefoltert, mehrfach vergewaltigt und schließlich gefesselt und mit verbundenen Augen mit Anderen in ein Haus gesperrt. Dorthin wurden Soldaten beordert, denen der Befehl gegeben wurde, die „Terroristen“ in diesem Haus zu erschießen. Unfassbar.
Noch unfassbarer verhielten sich nur Genscher&Co., die sich weigerten, auch nur einen Finger für diese junge Frau zu rühren. Die Namen Schmidt, Genscher, Hamm-Brücher oder von Dohnany sind in meiner Achtung um etliche Etagen nach unten gerutscht. Auf Ground Zero Niveau.
Hätte man etwas tun können? Natürlich. Die Engländer, Franzosen und Amerikaner haben ihre Leute dort rausgeholt, bzw. rausgekauft. Die USA haben sogar ein Waffenembargo verhängt. Die USA!!!
Nicht so Deutschland. Rüstungsgeschäfte und ein Freundschaftsspiel der deutschen Nationalmannschaft in Buenos Aires schienen wichtiger als das Leben der jungen Frau. Die Spieler wurden nicht informiert, Präsident Neuberger wusste davon, aber offensichtlich war es ihm scheißegal. DFB und FIFA waren schon damals das gleiche Pack wie heute……
Der damalige Botschafter Kastl ist sich noch heute keinerlei Schuld bewusst, im Gegenteil, Elisabeth Käsemann sei selbst schuld, schließlich war sie eine Linke….Kastl hatte glaube ich braune Augen…..ein unerträglicher Mensch.
Von Dohnany und Hamm-Brücher schämten sich wenigstens ein bisschen, Kastl überhaupt nicht. Der behauptete sogar rotzfrech, Elisabeth Käsemann sei der deutschen Botschaft unbekannt gewesen. Dabei hatte sie dort noch kurz zuvor ihren Reisepass verlängern lassen.
Genscher, der sich bis heute dafür feiern lässt, die gesamte DDR eigenhändig befreit zu haben, war nicht willens, etwas für einen einzelnen Menschen zu tun. Dazu fähig wäre er gewesen. Ein Interview zu dieser Dokumentation lehnte er ab.“

Auszug aus „Die Welt“
„An ihrer früheren Schule in Tübingen wird seit zwei Jahren ein Elisabeth-Käsemann-Preis für besonders engagierte Schüler verliehen. Zum Kuratorium des Preises gehört Herta Däubler-Gmelin. Als dieser 2012 gegründet wurde, schrieb sie an Genscher und bat ihn um ein versöhnliches Grußwort. Er hat nie geantwortet.“

Die sterblichen Überreste von Elisabeth Käsemann wurden nach Deutschland überführt, man vergaß dabei nicht, die Kosten dafür der Familie Käsemann in Rechnung zu stellen.
Wie sagte die deutsche APO damals so gern? Schweinestaat.
Sie hatten recht, wobei man sich vielleicht bei den Schweinen entschuldigen sollte. Die sind anständiger.
image

Nachtrag: Kastl ist inzwischen verstorben. Meine Trauer hält sich in engen Grenzen.

http://www.focus.de/politik/deutschland/es-ist-nicht-zu-entschuldigen-folter-mord-und-schweigen-der-fall-elisabeth-kaesemann_id_3900755.html

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Über schwabenkrawall

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6 Antworten zu Genscher: „De mortuis nil nisi bene?“

  1. Wolfgang Gosejacob schreibt:

    „Paralles Thema“
    ———————
    Heute wurde bekannt, dass die Unterlagen zur „Colonia Dignidad“ vom Außenministerium freigegeben werden. 10 Jahre früher als nach normalen Regelungen. Steinmeier hätte gesagt, dass dieses Kapitel kein Ruhmesblatt für die deutsche Außenpolitik gewesen sei.

    Mal sehen, was dort rauskommt.

  2. Wolfgang Gosejacob schreibt:

    Auch Herr Filbinger wäre auch noch zu erwähnen, der es sogar zum Ministerpräsident brachte.

  3. Claudio Verde schreibt:

    Der Fall Käsemann ist mir bekannt.Doch wenn wir anfangen zu recherchieren haben noch einige Politiker paar Leichen im Keller. Z.B. Kiesinger war in der NSDAP.

    • Wolfgang Gosejacob schreibt:

      … und Adenauer wollte kein dreckiges Abwaschwasser wegkippen, solange er kein Frisches zum Kaffeekochen hat.

      Die Quote der Menschenrechte, die zugunsten von „praktischen Interessen“ ignoriert werden oder der Realpolitik geopfert werden, scheint konstant hoch zu sein und trotz der steigenden Informationsmöglichkeiten der Bevölkerung oder sogar zu steigen. Bis HEUTE.

      Der oberste türkische „Mitarbeiter des Monats“ läßt grüßen!

      Und Friedrich Merz, den ich sonst nicht außerordentlich schätze, sagte kürzlich:
      „Der Rechtsstaat erodiert von oben und von unten!“

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