Ihr Zigeuner, verschwindet dahin, wo ihr hergekommen seid!!!

Die Eltern des kleinen Jungen waren  aus ihrer Heimat geflüchtet, weil sie dort um Leib und Leben fürchten mussten.
In Deutschland angekommen, lebten sie jahrelang in Flüchtlingsunterkünften, 10 Personen auf 25 Quadratmetern. Später dann in einem Kellerverschlag, der als Wohnraum ausgewiesen wurde, da mittlerweile immer mehr Flüchtlinge ins Land kamen.
Die Familie war dennoch froh, denn die Verhältnisse in den Flüchtlingsunterkünften waren alles Andere als schön. Gewalt, Alkoholismus und Hass der verschiedenen Flüchtlingsgruppen untereinander waren an der Tagesordnung. Der kleine Junge sah Betrunkene, die mit Äxten und Messern aufeinander los gingen und sich gegenseitig massakrieren wollten.
Einige Jahre später hatte die Familie endlich eine kleine Dachgeschosswohnung, man hatte Arbeit, die Kinder gingen zur Schule. Alles in Ordnung?
Im Prinizip ja, aber man darf die Rechnung niemals ohne den Wirt machen. Der Wirt ist in dem Fall der sog. „Biodeutsche“ der grundsätzlich Angst vor allem Fremden hat. Angst davor, dass ihm etwas weggenommen wird. Das erzeugt Hass und daran hat sich bis heute nichts geändert.
Der kleine Junge durfte sogar im Garten eines Nachbarn mit dessen gleichaltrigem Sohn spielen. Lupenreine Schwaben waren diese Nachbarn und eine Weile ging das gut. Eines Tages kam die Mutter des Nachbarkindes in den Garten, schnappte den kleinen Flüchtlingsjungen am Kragen und schmiss ihn kurzerhand über den niederen Gartenzaun auf die Straße.
Dabei brüllte sie hasserfüllt :“ Verschwindet do na, wo ihr herkomma send, ihr dreckige Zigeuner!!“

Das geschah vor ca.60 Jahren in meiner Heimatstadt (?) Waiblingen. Der kleine Junge war ich. Ich hieß auch nicht Mohammed oder Ali , sondern Bernd und war sogar blond und blauäugig.
Meine Eltern waren auch keine Asylbewerber, sondern Deutsche, die nach dem WK2 aus Jugoslawien flüchten mussten.
Heute denke ich: Wenn man sogar uns „Biodeutschen“ mit einem derartigen Hass begegnete, um wieviel schlimmer muss es Menschen gehen, die anders aussehen, anders sprechen und anders beten.
Beschissen, würde ich sagen.
Ich weiß, wovon ich spreche.
Und wenn nun irgendein ganz Gescheiter behauptet, das könne man nicht vergleichen, weil es sich seinerzeit um deutsche Flüchtlinge handelte…? Das sahen die Einheimischen damals gaaanz anders. Wir wurden Wasserpolacken oder Batschacken genannt. Gelder, die wir vom deutschen Staat bekamen nannte man „Banditengeld“ und die Siedlung, in der wir später lebten, hieß (wahlweise) Knoblauch – oder Paprikasiedlung.

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Über schwabenkrawall

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11 Antworten zu Ihr Zigeuner, verschwindet dahin, wo ihr hergekommen seid!!!

  1. gnaddrig schreibt:

    Einerseits hast Du recht – wenn vor 60 Jahren schon blond-blauäugige Biodeutsche Flüchtlinge so behandelt wurden, werden fremdländische Flüchtlinge sicher noch weniger willkommen sein und entsprechend schlecht behandelt werden. Andererseits hatten die Bewohner Restdeutschlands damals großenteils Grund, den Zuzug von egal wem kritisch zu sehen.

    Nach dem Krieg (und nachdem ja die Wehrmacht in vielen Orten verbissen um jeden Fußbreit Boden gekämpft und damit die völlig unnötige Zerstörung jeder Menge Bausubstanz provoziert hatte, obwohl der Krieg lange verloren war) war Wohnraum fast überall auch ohne die Flüchtlinge schon sehr knapp. Gleiches gilt für Lebensmittel.

    Ohne das Verhalten der Leute damals rechtfertigen zu wollen, kann ich deren Ablehnung zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Heute ist die ganze Situation völlig anders, und niemand hat weniger Wohnraum, Geld oder Essen, wenn ein paar mehr Flüchtlinge im Ort leben. Für Pöbeleien, Drohungen und Gewalttätigkeiten gibt es keinen Grund und keine Entschuldigung. Was schon vor 60 Jahren trotz allem völlig unangemessen war, ist heute noch unmöglicher.

    Manchmal habe ich den Eindruck, Missgunst ist der kleinste gemeinsame Nenner unserer Gesellschaft, damals wie heute. Traurig.

    • schwabenkrawall schreibt:

      So rum betrachtet wird es noch deutlicher.

    • DerMixer schreibt:

      Also für die knapp 100 Flüchtlinge die wir jetzt zugeteilt bekommen hat unsere kleine gemeinde tatsächlich keinen Wohnraum. Aber der muss halt geschaffen werden. Das istvheut wie damals kein Grund.

    • DerMixer schreibt:

      …um jetzt aber doch ein klein wenig Verständnis für die bedenken gegenüber manchen Flüchtlingen zu haben( bedenken, die aber keines falls Hass rechtfertigen, sondern allenfalls besondere Fürsorge und Betreuung) wir wohnen in keinem Kriegsgebiet. Wir können uns nicht ansatzweise in Menschen hinein versetzen, die Jahre, vielleicht ihr ganzes leben lang, um ihr leben kämpfen mussten. Seis der Kampf gegen die Armut, das verhungern, oder gegen bewaffnete. Ich kann mir nicht ansatzweise vorstellen, was in den köpfen dieser Menschen vor sich geht. Das da einige dabei sind, di in ihrer Verzweiflung durchdrehen, ist für mich allerdings nachvollziehbar. Das diese Menschen keine echte Hoffnung schöpfen können, solange sie keine Chance für die Zukunft sehen, finde ich menschlich. Die Sorgen und Ängste dieser Menschen sind uns fremd und das macht manchen Menschen Angst. ( die Missgunst schwach Mäzen, und davon gibt es viel zu viele, will ich allerdings nicht rechtfertigen.)

  2. Wolfgang Gosejacob schreibt:

    Die ständige Wiederholung der Geschichte zeigt, wie schnell die Gesellschaft sich wirklich verändert. …

    Nämlich fast gar nicht!

  3. Gabryon schreibt:

    Hat dies auf Allerlei Kunterbunt… rebloggt und kommentierte:
    Immer wieder, jeden Morgen grüßt das Murmeltier…

  4. DerMixer schreibt:

    Kenn ich. Wohne in einem kleinen Dorf, meine Eltern sind beide „zugreiste“ … für manche hier im Dorf bin auch ich noch einer der „uffgeplackten“ obwohl ich hier aufgewachsen und gross geworden bin. Allerdings wurd ich nie über den Zaun geworfen. Ich war damals schon recht füllig… 😉 Aber meine Erfahrung diesbezüglich: Du brauchst nicht aus einem anderen Land zu kommen, anders beten, eine andere Sprache sprechen und verfolgt zu werden um nicht dazuzugehören… Wenn man aus der 40km entfernten Stadt kommt, gehört man genauso wenig dazu. ( Ok die sprechen halta uch ne andere Sprache… 😉 ) Sich in einer kleinen eingespiuelten Gesellschaft zu integrieren wird einem hier nicht leicht gemacht. Das hat aber eben auch leider seinen Grund. Die die man kennt, kann man einschätzen. Wer neu dazu kommt muss“ erst mal geprüft werden, ob er was taugt, oder ein Taugenichts ist…“

    • DerMixer schreibt:

      Ich find die Diskussion schwierig… natürlich brauchen alle Menschen ein Zuhause. Und besonders Kinder brauchen ein sicheres Zuhause in dem sie unbeschwert aufwachsen können.

      PUNKT und kein ABER. ( Auch wenn ich aber mag…)

      Ich stelle mir nur folgende Fragen(auch da ich selbst ein Kind hab…):

      Wie stelle ich die Sicherheit meines Kindes sicher, wenn im Nachbarhaus Menschen leben die die Sicherheit meines Kindes gefährden?

      Wie trenne ich, möglichst bevor etwas passiert ist, die Menschen die gewaltbereit sind, von denen die sich friedlich integrieren wollen?

      Was passiert mit unserer gesellschaft wenn wir es nciht schaffen, schutzsuchende zu Integrieren, sondern wir uns statt dessen die Bürgerkriegstraumata in unsere Gesellschaft holen? (Sind wir mal ehrlich. Schwer traumatisierte Menschen brauchen nicht nur 2 qm die sie sich mit 4 Menschen teilen müssen, garniert mit ein paar Dutzend protestierenden Sachsen und Glatzen. Und so ein trauma arbeitest du auch nicht aleine auf. Dazu braucht es proffesionelle Hilfe. Sind wir dazu in der Lage? Wir schaffen es doch nicht mal unsere Krankenhäuser in einem einiger massen annehmbaren Zustand zu halten…)

      Die Zustände in Ländern, die Menschen dazu zwingen ihr Land zu verlassen, sind alles andere als die Ponyhofmentalität die hier den meisten Kindern beigebracht wird. Was ich nicht verstehen kann ist, das wir, um billig an Öl zu kommen bereit wahren Soldaten in den Krieg zu schicken, aber jetzt nicht in der Lage sind, Ländern zu helfen, Mord und Totschlag zu beenden?

      Wie man das Blatt auch dreht und wendet… egal von welchem Gesichtspunkt man es betrachten mag… das sind keine einfachen Probleme vor denen unsere gesellschaft steht. Und ich bezweifle sehr stark das unsere Politiker in der Lage sind, sich diesen Problemen ernsthaft zu stellen. Ganz zu schweigen das sie nicht in der Lage sind eine Lösung zu finden. Die haben doch viel zu viel damit zu tun, sich gegenseitig ins Aus zu schiessen, zu denunzieren und sich die Taschen voll zu stopfen. … und wenn sie doch mal was anderes machen, dann meist etwas, von dem sie keine Ahnung haben… traurig…

      • schwabenkrawall schreibt:

        Glaubst Du, unsere Eltern waren nicht traumatisiert?

      • DerMixer schreibt:

        Natürlich waren unsere Eltern schwer traumatisiert, sind es grösstenteils heute noch und haben ihre Traumata an ihre Kinder und Enkel weitergegeben. Einer der Gründe, weswegen selbst Menschen die unter Verfolgung und Vertreibung litten um sich beissen wenn es darum geht, anderen das zu ersparen wwas sie selbst durchlitten haben. ( Weil sie mit etwas konfrontiert wurden was sie niemals aufgearbeitet haben sondern nur verdrängt haben…)

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