Archiv für August, 2015

Ich weiß nicht, wer der Schöpfer dieses geflügelten Wortes ist, aber eines weiß ich: „Geflogen ist der noch nie“, zumindest nicht auf einem Langstreckenflug in der Holzklasse.
Man sitzt in Frankfurt und harrt dem Unvermeidlichen entgegen. „Planmäßiger Abflug, 12.35h“…so steht’s auf dem Ticket und auf der großen Tafel im Fraport. Wer kennt sie nicht, die großen schwarzen Tafeln mit Zahlen und Buchstaben die sich von Zeit zu Zeit rasend schnell drehen und alle Flüge um einen Platz nach vorne rücken? Im Zeitalter von LED-Bildschirmen ein Anachronismus, aber es tut….wenigstens manchmal.

Und IMMER steht bei unseren Flügen rot daneben „Delayed“. So geht’s schon mal los. Steht dann endlich ein Gate an der Tafel fängt die Suche an….wo ist B61? Im Keller, wie sich herausstellen sollte. Condor fliegt zwar global, hat aber den Charme und die Organisation einer Provinzklitsche. Ein wüstes Durcheinander, ehe man ins Gate gelangt, zum gefühlten 10x zeigt man Bordpass nebst Reisepass vor und es gelang uns sogar, nach dem Ausreisen aus Versehen wieder einzureisen….

Egal, es war billiger als bei den Anderen. Und das merkt man. Dass man bei einem Transatlantikflug Getränke und Entertainment selbst bezahlen muss, war mir neu. Kopfhörer 8 Euro? Arsch lecken…da schlaf‘ ich lieber. Mit 1,90 in der Holzklasse….Geschätzte Flugzeit, stand da: 10:30h. Nach gefühlten 6h Schlaf wache ich auf und schaue auf den kleinen Bildschirm im Vordersitz (die Flugdaten sind kostenfrei) Verbleibende Flugzeit bis zum Ziel: 9:55h!!!.

Ich sag’s mal deutlich: Fliegen ist Scheisse! (solange man nicht die Mittel für First-oder wenigstens Business-Class hat), aber es ist der einzige – zeitlich und pekuniär – erschwingliche Weg, von A nach B bzw. Z zu kommen. Im vorliegenden Fall nach Vancouver, wo wir Freunde in Sooke, Vancouver-Island, besuchen wollen.
Ich habe das jetzt schon fast 200x hinter mir und bei jedem Flug schwöre ich: „Nie wieder“
Genau so oft breche ich den Schwur wieder, weil Fernweh unheibar ist.

Zum Glück habe ich mein Tablet dabei, denn:

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Der Osten ist rot? Von wegen…
Böse Zungen könnten nun anführen, dass eine Mischung aus Rot und Grün Braun ergibt, aber stellen Sie sich in Jamel und etlichen anderen „national-befreiten Zonen“ hin und machen für die Grünen oder Linken Wahlkampf…..
Das würde ein böses Ende nehmen.
Neenee, Braun ist dort keine Misch – sondern eine Grundfarbe, Farbenlehre hin oder her.

Vor ein paar Jahren (20 Jahre nach Einführung der Demokratie im Osten), bereisten wir die gesamte Ex-DDR. In Mac-Pom war ich nicht wenig erstaunt, als auf dem Parkplatz neben mir ein Wagen anhielt. Farbe: Camouflage. Diesem entstieg ein junger Mann, dessen Hosen ebenfalls in Tarnfarbe gehalten waren.
Glatze, Runen-Tattoos, Kampfhund, das ganze Programm. Gänzlich baff war ich über das Autokennzeichen: „NVP“…“Sag mal,“ sagte ich zu meiner Gattin“, haben die Nazis hier jetzt schon eigene Autonummern?“ (Leise, denn der Kerl machte mir Angst, was wohl auch seine Absicht war)
„Nein, das heißt „Nord-Vor-Pommern“, entgegnete sie, nachdem sie das Kennzeichen gegoogelt hatte.
Ich dachte eigentlich, das hieße Nationale-Volks-Partei…

Nun lese ich über das Künstlerehepaar in Jamel, denen das Haus über dem Kopf angezündet wurde. Nix Genaues weiß man nicht – und wird man auch nie wissen, denn das ganze Dorf steht in Treue fest zu-sa-ham-men. Man kann nur vermuten, wer das war.

In diesem Kontext fiel mir die Geschichte mit dem Autokennzeichen wieder ein. Mal googeln….
Aha!
Stadtname: Gägelow (Ortsteil: Jamel)
PLZ: 23968
Längen- und Breitengrad: 53.9000000 , 11.3833300
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Nordwestmecklenburg
Autokennzeichen: NWM !!

Also nicht Nationale-Volks-Partei, sondern Nationaler-Widerstand-Mecklenburg?
Ich frage mich jetzt, wer für die Abkürzungen auf den KFZ-Kennzeichen zuständig ist? Und ob derjenige sich dabei etwas gedacht hat. Und wenn ja, was?
Ich will nichts unterstellen, Grundgütiger!!! Aber niemals waren Nummernschilder passender.
Schilda lässt grüßen.

Man sollte sowieso die Begriffe nicht durcheinander schmeißen. Kriegsflüchtlinge sind keine Migranten. Migranten sind Einwanderer, die auf Dauer hierbleiben wollen. Und da wir in Europa ein Freizügigkeitsgesetz haben, das EU-Bürgern die Freiheit lässt wo sie wohnen und arbeiten wollen, kommen natürlich auch Gestalten, die wir nicht unbedingt bräuchten. (Das betrifft i.Ü. auch Deutsche, die im europäischen Ausland den dortigen Sozialsystemen zur Last fallen…einige kenne ich persönlich )
Aus diesem Grund bin ich für ein Einwanderungsgesetz.
Ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild wäre wünschenswert.

Die europäische Idee halte ich für gescheitert. Eine Staatenunion ohne eine gemeinsame Sprache, Strafrecht, Wirtschafts – und Finanzpolitik etc. kann nicht funktionieren. Der Euro? Da hat man mit dem Bau des Hauses beim Dach begonnen.
De Gaulle und Adenauer sprachen einmal vom „Europa der Vaterländer“ als man begann, die EWG zu installieren. Daraus ist ein Europa der Egoisten geworden.
Man hätte es besser bei der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft belassen. Dieses nur nebenbei und zum besseren Verständnis meiner Denkweise.

Wenn mir nun ein Kommentator schreibt, dass er – obschon alles andere als rechts – Nationalisten manchmal verstehen könne, wenn man – wie in seinem Fall – völlig grundlos von jungen Rumänen als „Hitler“ beschimpft wird, dann muss ich sagen: Wer sich hier derart daneben benimmt, wer nur zum Klauen oder Abkassieren herkommt, wer aufgrund seines kulturellen Hintergrundes durch homophobe oder antisemitische Äußerungen auffällt, den sollte man auch wieder heimkomplimentieren dürfen. Unverzüglich. Von mir aus achtkant. EU- Bürger hin oder her.

„Biodeutsches“ Pack haben wir hier schon zur Genüge.
Nein, ich bin kein naiver Gutmensch. Durchaus nicht. Ich wundere mich selbst, dass ich das so ausführlich betonen muss, denn eigentlich ist das doch selbstverständlich?

Dies alles hat jedoch nichts – aber auch garnichts – mit Kriegsflüchtlingen zu tun, die nicht zuletzt deshalb ihre verwüstete Heimat verlassen müssen, weil IS und Konsorten ihre Gräuel auch mit deutschen Waffen verüben.
Für diese Menschen haben die Väter unserer Verfassung das Asylrecht installiert.
Und Armutsflüchtlinge? Da sollte man sich klarmachen, weshalb diese Menschen arm sind. Kurz und knapp: „weil wir reich sind“ … Den Afrikanern werden von uns (dem reichen Westen und vor allem Japan) die Meere leergefischt. Den Bauern wird das Ackerland geraubt um darauf Monokulturen- wie Palmöl – anzubauen damit wir billigen Biosprit tanken können….und und und..es gäbe noch 1000000 Beispiele, die belegen, weshalb diese Menschen arm sind. Nämlich wegen uns. Und da sollten wir uns nicht wundern, wenn sie in ihrer Heimat keine Perspektive mehr haben und ins gelobte Europa kommen. Am besten, man schaut sich den Film „Der Marsch“ an, in dem schon 1990 dieses Szenario drastisch beschrieben wird.

Der „Gutmenschen-Faschismus“!

Veröffentlicht: August 14, 2015 in Deutschland, Rassismus
Schlagwörter:

Eigentlich wollte ich meinen Blog bis auf Weiteres ruhen lassen, mangels Lust, mich weiter beschimpfen zu lassen. Wahlweise als Linksfaschist, Volksverräter, „Like-Schnorrer“, Betrüger, Möchtegern-Journalist  und was-weiß-ich-noch-alles.
Achja…..ein Gutmensch bin ich ja auch noch. Einer von Denen, denen es nicht am Arsch vorbeigeht, wenn er Kommentare wie diese liest.: „Solen doch alle versaufen, das pak“
Solche Äußerungen sind nicht nur auf braunen Facebookseiten zu lesen, man findet sie auch in den Kommentarleisten großer Onlinemedien. Und die Admins lassen diese Kopfkranken gewähren. Ich selbst bin bei „Focus“ als Kommentator gesperrt worden, weil ich gegen diese Hetze aufbegehrt hatte. In der Benachrichtigungsmail hieß es, dass kein Grund für meine Sperrung genannt werden muss.

Und nun kam was Neues: „Du gehörst doch auch zu den links-grünen Kinderfickern, die unser Land mit ihrem Gutmenschenfaschismus überziehen“

Da fragt man sich schon, wo das endet. Ich habe den Kommentar bei google+ gemeldet, aber da tat sich nichts. Schließlich habe ich den Kommentar selbst gelöscht und den User geblockt.
Ich denke, ich gebe auf. Letztendlich schreibe ich doch nur für Leute, die Empathie mit den Flüchtlingen empfinden und die ich von nichts überzeugen muss.
Die Anderen kann ich nicht überzeugen, da gegen ein festgefügtes rechtes Weltbild Worte nichts nützen.
Rassismus ist eine unheilbare Krankheit.

Die Eltern des kleinen Jungen waren  aus ihrer Heimat geflüchtet, weil sie dort um Leib und Leben fürchten mussten.
In Deutschland angekommen, lebten sie jahrelang in Flüchtlingsunterkünften, 10 Personen auf 25 Quadratmetern. Später dann in einem Kellerverschlag, der als Wohnraum ausgewiesen wurde, da mittlerweile immer mehr Flüchtlinge ins Land kamen.
Die Familie war dennoch froh, denn die Verhältnisse in den Flüchtlingsunterkünften waren alles Andere als schön. Gewalt, Alkoholismus und Hass der verschiedenen Flüchtlingsgruppen untereinander waren an der Tagesordnung. Der kleine Junge sah Betrunkene, die mit Äxten und Messern aufeinander los gingen und sich gegenseitig massakrieren wollten.
Einige Jahre später hatte die Familie endlich eine kleine Dachgeschosswohnung, man hatte Arbeit, die Kinder gingen zur Schule. Alles in Ordnung?
Im Prinizip ja, aber man darf die Rechnung niemals ohne den Wirt machen. Der Wirt ist in dem Fall der sog. „Biodeutsche“ der grundsätzlich Angst vor allem Fremden hat. Angst davor, dass ihm etwas weggenommen wird. Das erzeugt Hass und daran hat sich bis heute nichts geändert.
Der kleine Junge durfte sogar im Garten eines Nachbarn mit dessen gleichaltrigem Sohn spielen. Lupenreine Schwaben waren diese Nachbarn und eine Weile ging das gut. Eines Tages kam die Mutter des Nachbarkindes in den Garten, schnappte den kleinen Flüchtlingsjungen am Kragen und schmiss ihn kurzerhand über den niederen Gartenzaun auf die Straße.
Dabei brüllte sie hasserfüllt :“ Verschwindet do na, wo ihr herkomma send, ihr dreckige Zigeuner!!“

Das geschah vor ca.60 Jahren in meiner Heimatstadt (?) Waiblingen. Der kleine Junge war ich. Ich hieß auch nicht Mohammed oder Ali , sondern Bernd und war sogar blond und blauäugig.
Meine Eltern waren auch keine Asylbewerber, sondern Deutsche, die nach dem WK2 aus Jugoslawien flüchten mussten.
Heute denke ich: Wenn man sogar uns „Biodeutschen“ mit einem derartigen Hass begegnete, um wieviel schlimmer muss es Menschen gehen, die anders aussehen, anders sprechen und anders beten.
Beschissen, würde ich sagen.
Ich weiß, wovon ich spreche.
Und wenn nun irgendein ganz Gescheiter behauptet, das könne man nicht vergleichen, weil es sich seinerzeit um deutsche Flüchtlinge handelte…? Das sahen die Einheimischen damals gaaanz anders. Wir wurden Wasserpolacken oder Batschacken genannt. Gelder, die wir vom deutschen Staat bekamen nannte man „Banditengeld“ und die Siedlung, in der wir später lebten, hieß (wahlweise) Knoblauch – oder Paprikasiedlung.

….zumindest, wenn man sich die Kommentare bei Focus – T-online und anderen BLÖD-online-Verschnitten anschaut. Da ist von „Bio“ – und „Pass – Deutschen“ die Rede, da werden Kriegsflüchtlinge und osteuropäische Diebstahls-Touristen in denselben Topf geworfen, da wird gehetzt, geschürt und vom Leder gezogen, als ob es den Tatbestand der Volksverhetzung nicht gäbe.
Und die Admins lassen das alles zu…..
Bei den meisten der Kommentare wird schnell klar, dass man über die Schlagzeilen nicht hinausgekommen ist, da wird aus einer deutschen Großfamilie die der Polizei in Mönchengladbach Probleme macht, ganz einfach ein arabischer Clan. (Wenn man sich die Rechtschreibung der Kommentatoren anschaut, kann man sich auch vorstellen, dass es mit dem Lesen längerer Beiträge  hapert)

Da fällt mir ein..es wird doch immer vehement gefordert, dass der, der hier leben will, die deutsche Sprache beherrschen sollte…Nach diesem Kriterium müsste etlichen der Kommentatoren die Staatsbürgerschaft entzogen werden….

Egal…was bilden sich diese Spacken ein? Bio-Deutsch? Wieso nicht gleich Arier oder Herrenrasse? Meine Herren…..Mitteleuropäer sind per se ethnisch durchmischt, wenn man allein daran denkt, was während der Völkerwanderungen durcheinander gevögelt wurde….Grundgütiger!
Biodeutsche gibt es nicht, da gibt’s keinen Qualitätsstempel auf den Eiern!
Menschen sollte man nicht in „Pass und Biodeutsche“ einteilen, sondern in Anständige und Arschlöcher.
Im Moment habe ich wirklich Bedenken, dass bei den nächsten Wahlen ein Rechtsruck durch Deutschland geht. Bislang waren die verkappten deutschen Rechten („die Juden versuchen Vorteile daraus zu ziehen, dass sie in der NS-Zeit zu Opfern wurden“, sagen 49 Prozent der Deutschen, 46% sagen, es gäbe zu viele Muslime in Deutschland *Zahlen von 2008…es wird heute kaum weniger sein ) wohl schlicht zu feige, rechte Parteien zu wählen, da ihnen das Fressen wichtiger war als das Hetzen – und weil wohl kaum eine rechte Partei mit wirtschaftlichem Sachverstand glänzt….
Wenn man genau hinhört, dann hört man (nicht nur an den Stammtischen) was wirklich gedacht wird.
Wir haben es nur unserem Wohlstand zu verdanken (doch den haben wir!), dass wir uns nicht längst auf dem Weg ins 4.Reich befinden.
Sollte unsere Wirtschaft in die Knie gehen, dann ist auch Weimar nicht mehr weit. (Die Kommentatoren aus FOCUS und BLÖD mögen bitte in Wikipedia nachschauen, was „Weimar“ bedeutet….nee, geht nicht. …zu viel Text)
Nachträglich muss gesagt werden, dass diese nationale Abschottung kein speziell deutsches Problem ist. In Ländern wie Ungarn ist das noch wesentlich schlimmer.