Begegnungen-„Das kann kein Schwabe sein!!!“

Mitnichten möchte ich hier über meine Landsleute vom Leder ziehen, aber wir sind halt ein wenig….speziell.
Speziell ist das Stichwort für uns Schwaben…
Vielleicht kennen Sie das: Wenn man im Schwabenland eine Gaststätte besucht, in der sich 10 Tische und 10 Gäste befinden, dann sind alle Tische besetzt. (Es sei denn, es handelt sich um eine Weihnachtsfeier, oder einen Kegelclub )
Wenn sich nun der Schwabe ins Ausland (dazu gehört alles außer Württemberg, auch – oder besonders – Baden ) begibt, wird es unter Umständen befremdlich.

Ich nehme mich da nicht aus. Anlässlich eines Seminars war ich vor einigen Jahrzehnten zum ersten Mal in Krefeld und wollte abends im Hotelrestaurant noch etwas essen. Ich war der einzige Gast (zunächst) und setzte mich an einen der ca.25 Tische. Kaum hatte ich die Speisekarte in Händen, betraten 4 Einheimische (am Dialekt erkennbar) das Etablissement und steuerten zielstrebig auf meinen Tisch zu. „Was wollen die?“ fragte ich mich misstrauisch…. Wie sich herausstellte, wollten sie sich einfach mit mir unterhalten, obwohl sie mich nicht kannten und obendrein stocknüchtern waren. Bisweilen geschieht das nämlich auch in schwäbischen Besenwirtschaften. Allerdings erst nach ca. 3-4 Viertele Trollinger….

Dies zur Einleitung.

Mittlerweile und nach ca. 150 Reisen rund um den Globus haben wir uns damit abgefunden, dass der Deutsche und speziell der Schwabe etwas … ähm…zurückhaltend? ist.
Heute, beim Lebensmittelhändler unseres Vertrauens, („wir lieben Lebensmittel“) wir wollten eigentlich nur 3 Sachen holen, stand unweit des Eingangs ein junger Mann, der ein koffeinhaltiges Limonadengetränk promotete. Wir hatten Durst, das Getränk war kostenfrei und so genehmigten wir uns eine Erfrischung. „Und?“ fragte der junge Mann, „schmeckt es Ihnen?“…..“Hmmm, kann das sein, dass es süßer als das andere koffeinhaltige Limonadengetränk ist?“ „Keine Ahnung“ so der junge Promotor „ich rühre das Zeug nicht an“…  haha, das ist mir Einer, dachte ich und brachte das Gespräch auf die Stevia-haltige Cola, die in grün daherkommt und in Wahrheit ein Mordsbeschiss ist.

So kam man über den Umweltschutz zur Politik, zur Philosophie, zur Musik, zu den Weltreligionen, zu den Aussichten für die gesamte Welt etc.etc.. Wie sich herausstellte, war der junge Mann Student (Englisch, Spanisch, Chinesisch) und strebt einen Posten im diplomatischen Dienst an („weil man da dauernd reist, Deutschland ist mir etwas zu eng“)

Und so kamen wir zum Reisen….es dauerte auch nur ca.50min. ehe wir uns wortreich und unter Austausch sämtlicher http://www.Kontakte verabschiedeten . „Woher stammst Du eigentlich“ (mittlerweile waren wir trotz der 40 Jahre Altersunterschied beim Du angelangt) da ich nicht fassen konnte, so etwas mitten in Deutschland zu erleben: „Ich stamme aus Bosnien, bin katholischer Kroate, meine Eltern sind während des Krieges geflüchtet“….!! Aha: “ Mein Vater stammte aus Vukovar!!!“ entgegnete ich und nun war er platt. Nach weiteren 35 min. verließen wir den Laden mit den Worten „Jetzt habe ich wieder Hoffnung für die Jugend“ worauf er sagte:“und ich habe keine Angst mehr vor dem Alter“!!
Ich hoffe – nein, bin sicher – er liest das und meldet sich.
Das koffeinhaltige Limonadengetränk haben wir übrigens nicht gekauft 🙂

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Über schwabenkrawall

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3 Antworten zu Begegnungen-„Das kann kein Schwabe sein!!!“

  1. Prem Vinayaka schreibt:

    So, ihr zwei „Balkanesen“ (Du und Euer koffein-haltiges-Getränk-Promoter): jetzt muss ich doch mal was zur Ehrenrettung diverser in Deutschland (BRD) ansässiger Volksstämme sagen !!!

    Als ich nach zwei Jahren Ausland in Witzenhausen gelandet bin (2004), wurde mir mehrfach versichert (von „Einheimischen“ !), dass die Nordhessen ein sehr verschlossenes Völkchen seien, mit denen man nur sehr schwer „zusammenkommt“ … Es ist in den 10 Jahren „dort oben“ so gut wie kein Spaziergang ohne einen netten und oftmals extrem langen „Ratsch“ (1 Stunde und mehr, mitten im Wald, an einer Wegkreuzung, bei einer Begegnung oder Überholung oder sonst irgendwo – Themen und Ablauf wie oben) vergangen. Manchmal wurde das Gespräch nur deshalb beendet, damit jeder noch vor dem Hereinbrechen der totalen Dunkelheit wieder an seinem (respektive irgendwo) geparkten Fahrzeug anzukommen eine Chance hatte … 🙂 !!! Und hier, im schwäbisch-bayrischen Grenzgebiet beiderseits des Lech-Flusses ist es schon wieder dasselbe !!!

    Dass es auch schon in Köln so gewesen ist (Anfang der 90er) oder auch in Berlin (Anfang der 80er) mag ja zu der (berechtigten) Schlussfolgerung verleiten, dass ich ein geschwätzig-gesprächiger Mensch bin, aber ich hab‘ überall auch willige Gesprächspartner gefunden.

    P.S.: außer bairischen, alemannischen (Bodensee) und schwäbisch-fränkischen (nördl. Ries) Vorfahren hab‘ ich nix zum Bieten … 🙂 !!! Und: ich setz‘ mich auch erst mal an einen „freien“ Tisch und hab‘ da auch ganz gern „mei Ruah“, aber wenn sich jemand dazusetzen mag … : Willkommen !!!

    • schwabenkrawall schreibt:

      Naja ..aber im Supermarkt? Mir ist dergleichen noch nie passiert, auf freier Wildbahn oder in der Kneipe….mit Glück, aber zwischen Tütensuppen und Bandnudeln? Das hatte schon was Besonderes.

  2. Ursula schreibt:

    eine sehr schöne Begegnung – mitten in Deutschland 😀

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