Cannabis: Die unendliche Debatte

Vorweg, damit hier keine Missverständnisse aufkommen:
Alkohol und sonstige bewußtseinsverändernde Drogen habe ich nach eigenen Erfahrungen seit Jahrzehnten nicht mehr angerührt und lehne sie für mich grundsätzlich ab.

Gestern debattierte der Bundestag wieder einmal über einen Gesetzesentwurf der Grünen und wieder einmal prallten unvereinbare Meinungen aufeinander
Das konservative Kampfblatt „Focus“ macht es sich einfach mit seiner Beurteilung:
Wir brauchen nicht noch eine legale Droge“
„Alkohol und Tabak sind gesellschaftlich toleriert“
und jetzt kommt’s:
„Würden wir heute noch einmal vor der Wahl stehen würden wir Alkohol und Tabak verbieten
Ha! Schaut mal in Wikipedia unter „Prohibition“ nach, liebes Focus-Team. Der Versuch der USA von 1920-1933, den National Prohibition Act  durchzusetzen, hatte  mehrere Dinge zur Folge:
1) Es wurde weiter gesoffen
2) Die Trinker waren jetzt Kriminelle
3) Unzählige starben an gepantschtem Alkohol
4) Die Einzigen, die sich über das Gesetz freuten, waren Mafia und Moonshine-Destillerien.

Man könnte diese 4 Punkte auch für Cannabis einsetzen. Denn gekifft wird mit oder ohne Verbot.
Der Focus warnt auch vor den Gefahren durch Cannabis:“Schizoide Schübe, Paranoia und nicht zuletzt schwere Abhängigkeit“. Stimmt. Dann schaut mal in Entzugsstationen für Alkoholiker, liebe Focus-Suchtexperten.

Zahlen aus Holland, einigen US-Staaten oder Portugal belegen übrigens, dass sich die Konsumentenzahl nach einer Legalisierung nicht erhöht hat.

Mir geht es um die Ungleichbehandlung von Säufern und Kiffern. Man kann hierzulande im Auto 5 Kisten Schnaps transportieren, bei einer Kontrolle ginge das problemlos durch, sofern der Fahrer noch fahrtüchtig ist. Auch kann man sich gefahrlos zuschütten und darf straflos am nächsten Tag wieder in ein Auto steigen, sobald der Pegel unter 0,5 Promille liegt.
Wird man als unbekiffter Fußgänger mit Cannabis erwischt, dann kann es durchaus passieren, dass das Landratsamt benachrichtigt wird und man seinen Führerschein abgeben- sowie eine sauteure MPU absolvieren – muss. Für einen Autofahrer, der einige Tage zuvor einen Joint geraucht hat, wird es noch schlimmer. Restmoleküle von THC lassen sich auch dann noch nachweisen, wenn der User längst wieder völlig klar ist. Und die Drogentests sind ganz genau!!! Man gilt per se als drogenabhängig und zum Führen eines Fahrzeuges ungeeignet. Fertig.
0,49 Promille Restalkohol sind okay, aber für THC gibt es keine Grenzwerte (die von seriösen Wissenschaftlern längst vorgeschlagen wurden) und deshalb wird Leuten der Führerschein entzogen, obwohl sie nicht akut unter Drogen gefahren sind und vielleicht nur 3-4x im Jahr kiffen.

Über Raucher will ich hier nicht reden, da Tabak das Fahrvermögen nicht beeinträchtigt. Rauchen ist scheiße und Raucher sind ganz einfach doof und ich bin Einer von ihnen. 😦
Dass für Alkohol in diesem Land auch noch Werbung gemacht werden darf, ist ein Skandal und zeigt, welche politische Macht das Drogenkartell Alkoholindustrie hat.
Bin gespannt, ob das morgen Thema beim Stammtisch im BR3 ist. Da sitzen dann um 11h der Herausgeber des Focus, Helmut Markwort und Diskutanten beim Weißbier und niemand findet es anstößig, dass im Öffentlich-Rechtlichen des Morgens die Droge Alkohol genossen wird.
Prost.

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Über schwabenkrawall

Musiker, Freidenker, Schelm, Schreiberling
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9 Antworten zu Cannabis: Die unendliche Debatte

  1. katia schreibt:

    unmengen leute können nicht mit alk umgehen, und? die alk-regale sind in jedem laden ziemlich groß. ich kenne sehr wenige, die damit richtig und verantwortungsvoll umgehen (der witz, die beste ist eine trockene alkoholikerin mit leberschaden). verbote haben noch nie ein problem gelöst, maximal verschoben. ich kenne dafür ein paar mehr verantwortungsvolle kiffer. mein sohn ist mein bester selbstversuch: hab ihm alles erlaubt (süßkram, cola, rauchen, alk usw.), alles im haushalt immer da. ergebnis: cola hat ihn bis er 8 war nicht interessiert, süßkram nur wenn er appetit hatte, mc-würg bis 10 total verweigert. über die ganzen schädlichen sachen haben wir intensiv ohne verbote geredet, jetzt ist er 19 und raucht nicht, kifft nicht (sitzt sogar daneben, wenn ichs mach), trinkt maximal 1 oder 2 bier nach dem fussball. schrecklich brav mein großer!

  2. dermixer schreibt:

    Die Strafen finde ich ebenfalls überarbeitungsnotwendig. Grenzwerte sollten schnell her und eine ähnliche Regelung wie beim Alkohol getroffen werden. Die Legalisierung von Cannabis kann ich nach meinen Erfahrungen in der Drogentherapie aber nicht mehr befürworten.

    • schwabenkrawall schreibt:

      Und weshalb nicht? Meinst Du kriminalisierung ist besser? Und glaub mir, auch ich habe meine Erfahrungen.

      • schwabenkrawall schreibt:

        Wenn ich es mir aussuchen könnte, ob ich des Nachts in einer dunklen Gasse einem Besoffenen oder einem Bekifften begegnen möchte, dann ziehe ich den Bekifften bei weitem vor. 🙂

      • dermixer schreibt:

        Weil ich davon ausgehe das eine Freigabe von kanabis die droge verharmlost. Das ist sie eben in keiner weise. Als Medikament für schwer kranke?ja sicher. Die alternativen haben mehr Nebenwirkungen. Als Ergänzung beim nächsten teenykomasaufen? Bitte nicht. Die vorhandenen etablierten Drogen sind schlimm genug. Diese müssen eingedämmt (durch Aufklärung)werden und nicht durch weitere Nervengifte ergänzt werden.

      • schwabenkrawall schreibt:

        Es geht mir nicht um die Verharmlosung einer Droge, sondern um die Ungleichbehandlung von autofahrenden Säufern und Kiffern durch den Gesetzgeber. Entweder bei beiden Substanzen null Toleranz oder bei beiden Grenzwerte. Null Toleranz wäre mir am liebsten.

      • dermixer schreibt:

        Die Grenzwertargumentation kann ich nachvollziehen. Das rechtfertigt mit einer Meinung aber keine generelle Freigabe. Was ist eigentlich mit den Personen die Cannabis als Medikament verschrieben haben. Dürfen die ihren Führerschein gleich abgeben? Oder was mit Leuten die Morphium verschrieben bekommen?

      • schwabenkrawall schreibt:

        Die dürfen nicht fahren, solange sie diese Medikamente nehmen, dürfen ihren Führerschein allerdings behalten.

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