Nein danke, ich denke selbst..

Die Väter des Grundgesetzes haben aus gutem Grund den Artikel 5 in unsere Verfassung mit aufgenommen. (Doch, das ist die Verfassung, auch wenn einige Interessierte immer wieder behaupten, Deutschland habe keine solche)
„In Deutschland gewährleistet Artikel 5 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland die Pressefreiheit gemeinsam mit der Meinungsfreiheit, der Rundfunkfreiheit und der Informationsfreiheit. „
Nun ist das mit den Freiheiten so eine Sache. Freiheit, die ich meine? Oder auch Freiheit, die Andere meinen? Wenn ich z.B. der Meinung bin, mein Nachbar sei ein Arschloch, dann kann ich dem natürlich Ausdruck verleihen. Mit den Konsequenzen muss ich dann aber auch klarkommen.
Ich bin zum Beispiel der Meinung, dass Satire zwar alles darf, aber noch längst nicht alles muss, koste es, was es wolle… Dafür wurde ich von einigen Kommentatoren aufgefordert, das Land zu verlassen und dahin zu gehen, wo Meinungsfreiheitsgegner hingehören. Katar oder Saudi-Arabien z.B. Zum Mitdenken: Diejenigen, welche die Fahne der vermeintlichen Meinungsfreiheit zu verteidigen glauben, weil sie Charlie sind, fordern mich auf auszuwandern, weil ich eine andere Meinung habe? Das ist grotesk…. Ich sag’s jetzt zum letzten Mal:
Ich bin kein Islamistenversteher!
Ich bin der Meinung, dass man Beleidigungen vor Gericht klärt und nicht mit einer Kalaschnikow.
Ich meine, dass es falsch ist, unser Verständnis von Satire von aller Welt erwarten zu können.
Ebensowenig kann die islamische Welt von uns erwarten, dass wir aus lauter Angst, religiöse Gefühle zu verletzen, das Maul nicht mehr aufmachen. Wenn ich (im Urlaub mal aus Neugier) in eine Moschee gehe, dann ziehe ich die Schuhe aus, kleide mich angemessen und versuche ansonsten, nicht aufzufallen. In einer Synagoge bedecke ich mein Haupt und in einer Kirche setze sogar ich meine Dienstmütze ab. Damit ist’s auch gut, mehr Respekt gibt’s von mir nicht. Außerhalb der heil’gen Hallen hat Religion Privatsache zu sein und in Privatsachen mischt man sich (solange sie einen nicht tangieren!) nicht ein. Meine ich. Vielleicht sollten wir statt Integration lieber eine Art „friedlicher Koexistenz“ anstreben, das hat doch schonmal ganz passabel funktioniert. (Sollte man mir allerdings einen Glauben aufzwingen wollen, dann werde ich mich mit Zähnen und Klauen wehren.)
Ehe ich’s vergesse: Beim Schreiben kam mir der Kernsatz von Pegida in den Sinn, von der Verteidigung der „abendländischen Kultur“…. Beim Zappen gestern abend sah ich einige Szenen aus dem bundesdeutschen Trash-TV und jetzt frage ich mich ernsthaft „welche Kultur?“

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Über schwabenkrawall

Musiker, Freidenker, Schelm, Schreiberling
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8 Antworten zu Nein danke, ich denke selbst..

  1. Wolfgang Gosejacob schreibt:

    Es fehlt nur noch die Frage:
    a) wo denn alle Charlie waren, als die Auflage 60.000 und nicht 7 Millionen war
    b) wann den wieder die Auflage bei 60.000 landen wird
    und
    c) was es mit Charie zu tun hat, wenn die Einen bereit sind mehr als 4 Euro zu bezahlen und die Anderen zwar 4 Euro bezahlen aber einen Stapel kaufen und 120+ bei einer Auktion haben wollen.

    Wie sagte einer im Interview? „Wir wollen Solidarität zeigen und eventuell steigt ja auch der Wert dieser Ausgabe.“ — WIDERLICH — Einzelne Entgleisungen?
    Welch eine Rechnung auf dem Leichnam von 12 Menschen und deren Angehörigen. Angehörigen, die von diesem Geld höchstwarscheinlich nichts abbekommen. Wir reden hier immerhin über 6,55 Mio x 4 Euro (abzgl. der nur leicht erhöhten Produktionskosten Papier, Farbe)

    .
    UND: Läßt sich dieses Solidaritätsverhalten auch auf den alltäglichen Kauf von Lebensmitteln (Tierhaltung), Kleidung aus Bangladesch oder gar hochwertigen Konsumgütern übertragen? – Da hilft kein Pferd in der Lasagne, kein Dioxin im Hühnerfutter, kein eingestürztes Nähhaus in Asien und keine Selbstverbrennung bei Foxconn, die die Apple-Handys zusammenbauen.
    Immer schön solidarisch weggucken!

    .
    Wenn Kapitalismus und Marktwirtschaft nur dafür zuständig sind, dass Unternehmen im Rahmen des rechtlich geschaffenen Umfeldes maximale Erträge zu erwirtschaften haben und der Rechtsstaat in der aktuellen Form und internationalen Mischung (Freihandelsabkommen, völkerrechtliche Verträge bis hin zur geforderten Stabilität der Regionen: (Territoriale Integrität, keine Abspaltung von Regionen)) und wenn keiner zu einer Verbesserung der Zustände, Lebens- und Arbeitsbedingungen beitragen kann, obwohl Geld, Lebensmittel und Technik in ausreichnder Menge vorhanden sind, DANN sind der Rechtsstaat, seine aktuelle Definition und Umsetzung und die Regierungen an diesem Zustand „Schuld“.

  2. berndmarquard schreibt:

    Natürlich gibt es deutsche Kultur und zwar nicht nur im negativen Sinne. Ich bin prinzipiell auch froh hier zu leben und möchte nirgendwo anderes hin.
    Ansonsten volle Zustimmung und meinerseits nichts anderes hinzuzufügen!

  3. Ursula schreibt:

    bornierte Deppen hat es immer schon gegeben und die sterben sicher nicht aus – das lehrt uns die Welt – und im Besonderen die Religionsgeschichte…..

  4. senftimes schreibt:

    Toller Beitrag. Ja das mit dem eigenständigen differenzierten Denken haben viele nicht so drauf.
    Hier passt wohl Rosa Luxenburgs Satz „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“.
    Zum Thema Kultur: Das einzige was ich an deutscher Kultur kenne ist Neid, Angst, Mitläufertum und kollektives Schuldbewusstsein.
    Das man sich dabei oft auf christliche Werte bezieht ist eine Beleidigung an jeden frommen Menschen. Und damit meine ich nicht die „Gläubigen“ die sich nur das aus einer Religion herausnehmen was ihnen gerade passt.
    Religion sollte unbedingt Privatsache sein. Darum sollte hier das Vereinsrecht ausreichend sein um Gläubigen eine Möglichkeit zu geben sich zu organisieren. Klappt bei den Moslems ja auch. Aber das ist eine politische Angelegenheit.

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