Teufel Alkohol-ein persönlicher Rückblick.

Da gestern das Thema THC vs. Alkohol auf dem Plan stand, sehe ich mich genötigt, ein paar Dinge über meine ganz persönlichen Erfahrungen mit der Droge C2H6O niederzuschreiben.
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In meinem Buch „Sex&Drugs&Maultaschen“ hatte ich schon darüber geschrieben, das aber eher am Rande. Heute sind so viele Jahre ins Land gegangen, dass ich das Ganze „nüchtern“ betrachten kann.
Alkohol hat mir meine Jugend und die besten Jahre meines Lebens geraubt…..besser gesagt, ich habe die Jahre verschenkt, denn niemand wird zum Trinken gezwungen.
Das fing ganz normal an, Alkohol als Mannbarkeitsritus- mit 13 der erste Vollrausch nach einem „Dreierpasch“ (3Bier, 3 Gläser Wein, 3 Schnäpse) Als ich morgens in meiner eigenen Kotze aufwachte, war ich für einige Jahre geheilt und trank bis ca. 18 nur noch Fanta und Sinalco.

Es ist ein ewiges Rätsel der Menschheit, weshalb Kinder, die in einem Trinkerhaushalt aufwachsen und das ganze Elend hautnah erleben, später selbst zur Flasche greifen. So auch bei mir, denn mein Vater war schwer abhängig, mit allen Begleiterscheinungen, auf die ich nicht näher eingehen will. Vielleicht so viel: Es ist der mentalen Entwicklung eines Kindes nicht unbedingt zuträglich, abends zitternd im Bett zu liegen und darauf zu warten, in welchem Zustand der Vater nach Hause kommt. Schläft er gleich ein, oder schlägt er erstmal auf das Mobiliar – und später auf die Mutter ein? Werden wir heute wieder von der Mutter angefleht, den Alten mit einer Bierflasche k.o. zu schlagen? Muss ich – weil hl.Abend ist – den betrunkenen Vater aus der Kneipe holen, damit er zu Hause den Christbaum schmücken kann und dabei mitsamt dem nadligen Gehölz zu Boden geht? (Weihnachten ist für mich bis heute  kein Fest der Freude)
Trotzdem: Es war MEINE Entscheidung, später selbst zu trinken, man kann für seine missglückte Vita nicht ewig die versaute Kindheit verantwortlich machen, man kann selbst wählen, ob man an einer Weggabelung rechts oder links weitergeht.
Vielleicht sind es Suchtgene, die man geerbt hat, wer weiß? Die meisten meiner Freunde, die bei dem beschriebenen Dreierpasch dabei waren, konnten später „normal“ mit Alkohol umgehen. Normal schreibe ich deshalb in Anführungszeichen, weil man kaum hinter die Fassaden sieht. Bei mir endete es damit, dass ich zum Schluss ohne einen kräftigen Rum mit Tee morgens nicht einmal mehr aufstehen konnte. Die vielleicht wichtigsten Jahre des Lebens, zwischen 19 und 27 verbrachte ich im Nebel. Ich war keinen einzigen Tag nüchtern. Wie ich während dieser Zeit Musik machen konnte, ist mir noch bis heute rätselhaft.  Dass mich meine erste Lebensgefährtin verließ, war die beste Entscheidung, die sie treffen konnte. Mit 23 schmiss ich meinen Job hin und schlug mich mit „Arbeiten“ wie Prospekte verteilen durch. Mein erster Weg am Morgen führte mich zum Bäcker, aber nicht, um Brötchen zu kaufen. Nein, man kannte mich dort schon und mit 5 Mark war ich dabei. 2 mittelgroße Jägermeister als zweites Frühstück. Irgendwann hat’s „Klick“ gemacht und ich wies mich selbst zur Entgiftung in die Psychiatrie ein. Seit 1977 habe ich keinen Tropfen mehr angerührt, habe in der Zwischenzeit ungezählte Verwandte und Freunde am Zellgift Alkohol jämmerlich sterben sehen und habe es längst aufgegeben, als Mahner unterwegs zu sein. Falls mich jemand fragt, dann gebe ich Ratschläge, aber ich werde mich hüten, jemanden auf sein offensichtliches Problem anzusprechen. Es nützt nämlich nichts. Jeder muss selbst entscheiden, ob er an der Weggabelung links oder rechts geht.

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Über schwabenkrawall

Musiker, Freidenker, Schelm, Schreiberling
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19 Antworten zu Teufel Alkohol-ein persönlicher Rückblick.

  1. Pingback: 40 Jahre trocken! Geht das und wenn ja, warum nicht? | schwabenkrawall

  2. berndmarquard schreibt:

    Ich finde es bemerkenswert, wie du mit dem Thema umgehst und dass du uns an deiner Geschichte teilhaben lässt.
    Ich selbst bin in einem Weinbaubetrieb groß geworden und habe schon in relativ jungen Jahren schon Wein probieren können.
    Probleme mit Alkohol hatte ich dennoch nie. Es gab zwei Ausrutscher in meiner Jugend, wo ich zu schnell zu viel getrunken hatte und ich mich dann übergeben musste. Seitdem war ich zwar ab und an bei Weinfesten angetrunken oder betrunken, allerdings nicht so schlimm, dass es mir zu schlecht ging. Insgesamt trinke ich sehr wenig! Der meiste Alkohol wandert bei mir ins Essen. Ich koche sehr gerne mit Wein und für’s Backen wird auch ab und an etwas benötigt.
    Ich bin also der Meinung, dass es durchaus einen vernünftigen Umgang mit Alkohol geben kann.
    Ich möchte Alkohol aber auf

  3. Ursula schreibt:

    An meinem Einundzwanzigsten habe ich „etwas“ zu viel in mich hineingeschüttet. Mir war anschließend fürchterlich schlecht – Stundenlang.
    Auf eine zweite „Erfahrung“ dieser Art hatte ich keine Lust …..

    • schwabenkrawall schreibt:

      Das war ein weiser Entschluss! 🙂

      • Ursula schreibt:

        …ich trinke gerne mal ein Schlückchen Rotwein – aber eben nur ein Schlückchen und auch nur alle heiligen Zeiten!
        Habe ich Dir Geschichte schon mal erzählt, als ich einen Rotwein trinken wollte? Den holte ich aus dem Keller und der war natürlich viel zu kalt. Ich habe ihn zum „Anwärmen“ auf den Kachelofen gegeben. Ca. 2 Stunden später erschnupperte ich Glühwein-Duft. Ich hatte total darauf vergessen und der Korken wurde durch Wärme aus der Flasche getrieben. Da war es mit dem Schlückchen Rotwein nix, weil viel zu warm. 😀 😀 😀

      • schwabenkrawall schreibt:

        Gewürze dazu und fertig ist der Glühwein 🙂

      • Ursula schreibt:

        nein – bitte keinen Glühwein !
        Mir graust es zur Weihnachtszeit, wenn ich in die Nähe von einem Christkindl-Markt gehen muss. Da stehen um Zehn Vormittag die Ersten schon angeschickert an den Glühweinbuden. Bei dem Geruch von dem Zeugs wird mir schon schlecht !!!

      • schwabenkrawall schreibt:

        Noch einen Ameretto oder einen Pflümli dazu, damit man den Glühwein nicht so trocken runterwürgen muss.

      • Ursula schreibt:

        ich versuche immer schnellstmöglichst dem „Dunstkreis“ zu entkommen…

  4. Rainer Pandolfi schreibt:

    Nur soviel von mir, in einem lichten Augenblick habe ich festgestellt (aufgewacht auf dem Autodach im Novemberregen auf meinem Autodach mit lauter Reggaemucke irgendwo am Waldrand.(ca. 80km vom Ausgangspunkt der vortägigen Tequila Fete entfernt) und allein) das mir das ganze zeug nie geschmeckt hat und mir nicht nur bei der Einahme sondern auch bei der Abführung erhebliche Probleme bereitet. (Für mich auch der beweis das auch dass Rektum über Geschmacksnerven verfügt) Seit den letzten 30 Jahren kann man seit dem, die Gläser Wein und Bier an einer Hand abzählen. Und es fällt mir nicht Schwer nein zu sagen, egal in welcher Situation.

  5. muffy2013 schreibt:

    Leider sind die Weggabelungen meist sehr schlecht ausgeschildert.95% der Alkoholiker belügen sich auch selbst,indem sie behaupten nicht abhängig zu sein.Meine Lebensgefährtin ist an einer Lymphdrüsenmetastase ausgehend von einer Leberzirrhose gestorben.Sie trank keinen Kaffee ohne Pflümli(Pflaumenschnaps)und in unserer Stammbar in Italien musste zu jedem Espresso noch ein Cognac.Seit Ihrem Tod,vor 28 Jahren,ist für mich der Hochprozentige gestorben,denn ich habe selbst miterlebt,was aus dem Teufel Alkohol wird.

  6. uelekken schreibt:

    Facebook-Reflexionen
    Ich war nie und bin nicht “stolz” drauf. Ich ‘verweile’ in Demut. Ich vermeide für mich, von 25 Jahren meines Lebens nichts ohne Anlass einfach so zu erzählen.
    Wenn allerdings jemand fragt, bzw. hinterfragt, bekommt er eine Antwort. Und je nachdem erzähle ich MEINE Geschichte. Ich vermeide, RATSCHLÄGE zu erteilen; denn die nutzen nichts. Der Zuhörer kann aus meiner Erzählung Nutzen ziehen – für sich; denn den ersten Schritt muss er selber tun. Ich kann meinen Weg beschreiben, und wenn mein Zuhörer will, kann er diesen von mir erzählten Weg versuchen. Ich kann ihn begleiten, wenn er möchte; denn ich weiss, dass er es ganz ALLEIN schaffen muss, aber er schafft es in der Regel nicht allein.
    Anmerkung am Rande
    Das C2H6O könnte auch ein anderes Molekül sein. Auf die Summenformel würde neben dem Alkohol auch der Dimethylether (H3C-O-CH3) passen. Viele Moleküle haben die selbe Summenformel, aber ähneln sich ansonsten kein bisschen (Isomere).
    Deswegen bevorzuge ich die ‘ältere’ Schreibweise der Strukturformel, in der die sogenannte den Alk kennzeichnende OH-Gruppe deutlich erkennbar ist.

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