Letzte Ausfahrt Suizid?

Eine junge Frau aus den USA, die am 1.November ihrem Leben ein Ende setzen will, erregt zur Zeit die Gemüter. Sie selbst sagt, dass sie natürlich lieber gesund werden und weiterleben wolle, aber dafür besteht keine Chance. Sie ist „austherapiert“, wie es in der Sprache der Medizin heißt. Um sich lange Qualen zu ersparen, ist sie nach Oregon gezogen, wo aktive Sterbehilfe erlaubt ist. Ich glaube, es gehört viel Mut dazu, so etwas zu planen. Anders als bei einem spontanen Suizid, bei dem Psychologen davon ausgehen, dass die Betroffenen völlig „neben sich“ stehen, befindet sich Brittany Maynard in keinem psychischen Ausnahmezustand. Wer hat sich mit diesem Thema noch nicht befasst? Ab einem gewissen Alter – und mit der Erfahrung von verstorbenen Verwandten oder Freunden im Hinterkopf – wohl Jeder….mehr oder weniger intensiv.
Nur, wenn man im Fall des Falles gar nicht mehr dazu in der Lage ist? Brittany Maynard kann den Medikamentencocktail selbst zu sich nehmen, für einen vom Hals abwärts Gelähmten besteht diese Möglichkeit nicht. Man kann nur hoffen, dass sich jemand findet, der ihm den letzten Wunsch erfüllt und sich dadurch nicht strafbar macht. So weit, so gut bzw. so schlecht, denn etwas Gutes kann ich einem Suizid (wie auch einem „natürlichen“Tod) nicht abgewinnen.
Wie immer hat aber auch diese Münze zwei Seiten.
Wir müssen uns vorsehen, dass wir uns der Szene aus „Soylent Green“ nicht nähern, in der sich alte Menschen (die Szene spielt in einem zukünftigen New York) freiwillig und bei durchaus lebenswertem gesundheitlichen Befinden in eine Sterbeeinrichtung begeben, weil sie „unnütze Esser“ sind.
Schon jetzt ist es in Oregon so, dass die Krankenversicherungen für wenig Begüterte die Kosten für Pflegeheime oder Hospize nicht mehr übernehmen wollen.
Die Kosten für eine Sterbehilfe werden dagegen übernommen. 
Es darf niemand aus wirtschaftlichen Gründen, oder weil die Familie von den Kosten in den Ruin getrieben wird zu diesem Schritt getrieben werden. Wir müssen aufpassen, dass die aktive Sterbehilfe nicht zu einem „sozialveträglichen Frühableben“ verkommt. Ein Staat, der Milliarden für funktionsunfähige Flughäfen, Bahnhöfe, Philharmonien oder Autobahnbrücken im Niemandsland zum Fenster hinausschmeißt, sollte auch die Mittel für Hospize haben, in die Menschen gehen können, die aus den verschiedensten Gründen ihrem Leben nicht selbst ein Ende setzen wollen.

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Über schwabenkrawall

Musiker, Freidenker, Schelm, Schreiberling
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9 Antworten zu Letzte Ausfahrt Suizid?

  1. Ursula schreibt:

    im Fall von Brittany Maynard werde ich mir nicht erlauben ein Urteil zu fällen. Das kann man nur, wenn man selbst in solch einer Situation war……

  2. berndmarquard schreibt:

    Was ich von Sterbehilfe halten, weiß ich auch nicht. Eine Situation wie du sie beschrieben hast ist aber natürlich echt unfassbar. Wer zu arm ist zu leben soll halt sterben? Das ist abartig!

  3. muffy2013 schreibt:

    Das ist ein sehr zweischneidiges Thema und hat auch mit dem Glauben zu tun.Gott hat uns das Leben gegeben und nur Er hat das Recht es wieder zu nehmen.Nachdem ich einen sehr massiven Suizidversuch,bei dem mich die Ärzte bereits aufgegeben hatten,hinter mir hatte,ist mir klar geworden es gibt eine höhere Gewalt und wir haben uns Seinem Willen zu fügen.

    • schwabenkrawall schreibt:

      Deshalb mein letzter Satz.

      • muffy2013 schreibt:

        Würde mir nur wünschen dass unsere Politiker mal selbst in diese Situation kommen.Dann können sie ihre letzten Tage auf ihren Flughäfen,Bahnhöfen und Soda-Brücken verbringen.

    • berndmarquard schreibt:

      Schön, wenn man glauben kann und einen das für’s Leben hilft.
      Ich persönlich kann das nicht, habe aber auch vor dem Leben einen unglaublichen Respekt!
      Wie das allerdings aussieht, wenn ich irgendwann mit unglaublichen nicht enden wollenden Schmerzen ans Bett gefesselt bin, vermag ich so nicht vorauszusagen…

      • muffy2013 schreibt:

        Ab einem gewissen Alter hatte ich es auch nicht mehr so sehr mit dem Glauben.Doch es ist auch nicht wünschenwert erst durch solche Erlebnisse an den Glauben seiner Kindheit zurückerinnert zu werden.Der von mir oben beschriebene Suizidversuch war nicht der Erste.Ich hatte bereits 15 Jahre zuvor einen anderen,bei dem ich mir sicher war,dass mich um diese Jahreszeit in dieser gottverlassenen Gegend kein Mensch finden würde.Wie ich im Krankenhaus gelandet bin,ist mir bis heute unklar.

      • berndmarquard schreibt:

        Schön, dass es nicht geklappt hat. Vielleicht war es tatsächlich Schicksaal, dass du gefunden wurdest. Es passieren so viele Dinge im Leben, die auch anders und viel schlimmer hätten ausgehen können. Schicksaal, höhere Macht, Zufall? Wie man das bewertet bleibt jedem ja selbst überlassen. Gut aber, dass nicht alles immer schlimm ausgeht!

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