Das „ch“ und seine Tücken

Ich habe meine Frau um Dispens für diesen Beitrag gebeten und sie hat ihn mir gewährt. Sie ist Mainzerin.
Dazu muss man wissen, dass Rheinland-Pfalz (und drum herum) eine sprachliche Sonderstellung einnimmt. Die Pfälzer können kein „ch“ ausspreschen. (Es sei denn, es folgt lediglich ein Vokal drauf, wie bei „Woche“)*. Und wenn sie es trotzdem versuchen, dann endet es meist tragisch. Meine Gattin hat sich einmal Prellungen am Zungenbein zugezogen, als sie mir etwas von einem tschechischen Chemiker erzählen wollte. „Tscheschischä Schemikä“…“ein was?“..fragte ich zurück. Beim Versuch, es nochmal zu sagen, zog sie sich besagte Verletzung zu. Bei „Aschebeschä, „Messästeschä“ oder ähnlichen Begriffen muss man schon genau hinhören, damit man weiß, dass Aschenbecher und Messerstecher gemeint sind. Auch „Würstchen“ ist schwierig (und kommt im täglichen Sprachgebrauch auch häufiger vor als Messerstecher) und ich nicke mittlerweile, wenn ich gefragt werde, ob ich mit ein Paar Wüstschn zufrieden wäre. Als ich einmal einen ganzen Beutel Erdnüsse verschlang, meinte sie augenzwinkernd:“Na, Du Eischörnschn?“
Ein Problem wird erst dann daraus, wenn diese Leute in der Öffentlichkeit stehen. Während Rainer Brüderle Untertitel bei seinen TV-Auftritten bekam (in der Heute-Show), wusste Helmut Kohl sehr wohl um das Problem, machte aber aus lauter Eifer den Fehler, dort ein „ch“ zu nuscheln, wo eigentlich ein „sch“ hingehört. Unvergessen sein Satz anlässlich einer seiner Selbstbeweihräucherungen:

„MEINE AMTSZEIT SOLL KEINE NICHE IN DER GECHICHTE BLEIBEN!“

Ein chönes Wochenende wünche isch, auch für die Schischtarbeiter 🙂 🙂
*Stimmt nicht. „Nacht“ geht auch….nicht aber „Näschte“

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Über schwabenkrawall

Musiker, Freidenker, Schelm, Schreiberling
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12 Antworten zu Das „ch“ und seine Tücken

  1. Wolfgang Gosejacob schreibt:

    Schon ein Komiker aus der Zeit des Schwarz-Weiß-Fernsehens („Heinz E.“ – Der volle Name ist der Redaktion bekannt.) hatte mit dem Problem zu kämpfen, hat aber für sich eine Lösung gefunden, über die ich kurz berichten möchte:

    Er wollte mehrfach den Versuch starten über etwas „klaschisches“ zu berichten und entschied sich im vierten Versuch dann doch für: „etwas altes“. — Insgesamt unklar ist, ob es sich um ein medizinisches, alkoholisches oder regionales Problem des Künstlers oder gar der Kunstrolle handelte.

    Für Würstchenfreunde hieße das dann: „(eine) kleine Wurst“ oder „mehrere kleine Würste“. Selbst die Variante „Würschte“ sollte ohne Probleme funktionieren und verständlich sein. Professionell, dem gastronomischen Umfeld angemessen und kundenfreundlich wäre selbstverständlich eine Gewichtsangabe: „100 Gramm Wurst“ in den Fortsetzungsvarianten „mit Pelle“ oder „ohne Pelle“.

    Vegetarier und Veganer kennen dieses Problem natürlich nur bedingt, werden aber häufig dazu verleitet und/oder genötigt Gemüse, Hülsenfrüchte und Getreide in eine Form zu pressen, die dieses Sprachproblem wieder zum Tragen bringt. Man sollte einmal prüfen, ob es sich um eine begründete Verschwörungstheorie handelt, die bereits den Stellenwert der Bielefeld-Verschwörung erreicht hat.

    Und aus guter Literatur wir wir wissen: Chinesen können kein „R“ aussprechen, sondern verwenden ein „L“! – Absicht?

  2. Ursula schreibt:

    ja mei ! Desweng is Dialekt so schee !!!! 😀 😀 😀

  3. berndmarquard schreibt:

    Kennt noch jemand die Werbung mit den fleichichen Stückchen, schön fleichich und saftich… ? (Hundefutter)

  4. muffy2013 schreibt:

    Schwätzed halt net älle schwäbisch.

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