Wir Deutsche(n)?

Da geht’s schon los. Ich weiß immer noch nicht, ob es  in dem Fall „Deutschen“ oder „Deutsche“ heißt. Der Duden erklärt, dass zwei Formen nebeneinander existieren, eine starke („wir Deutsche“) und eine schwache („wir Deutschen“). Ich finde, Beide klingen bescheuert.
Was ich eigentlich sagen will:“Wir Deutsche(n) sind uncool“. Also, jetzt nicht alle, aber doch die Meisten und besonders die, meiner Generation. Wir sind grad von einem Zug durch ganz Skandinavien und Holland auf dem Heimweg und irgendwie hatte ich das Gefühl,  dass die Leute hier oben lockerer drauf sind.
Es ist ja auch nicht leicht, ein Deutscher zu sein, schließlich tragen wir eine historische Verantwortung,  obwohl kein Deutscher unter ca.90 etwas mit dieser Geschichte zu tun hat. Da nützt auch das Wissen darüber nichts, dass 40.000 Holländer, 8.000 Dänen, 8.000 Norweger und 3.000 Finnen Angehörige der Waffen-SS waren. Nur die Schweden waren mit lediglich 300 Mitgliedern in dieser „SchutzStaffel“ zurückhaltender vertreten.(Dazu gab es mehrere Quellen mit unterschiedlichen Zahlen, aus denen ich einen Mittelwert gebildet habe) Wie auch immer, nur wir tragen die historische Verantwortung, wie schon erwähnt. Nun gibt es anscheinend nur 2 Möglichkeiten mit der Last, Deutscher im Ausland zu sein, umzugehen. Entweder, man benimmt sich äußerst unauffällig, oder man brüllt möglichst laut in seiner Muttersprache in der  Gegend rum, als wolle man sagen:“Seht her, ich bin Deutscher und es ist mir völlig wurscht, dass ich gerade im norwegischen Narvik vor einer Gedenktafel stehe, die an die Opfer während der deutschen Besatzung erinnert.“ Nach einer dritten Möglichkeit suche ich noch.
Ich gebe mich in diesen Fällen gern als Schweizer aus, nicht aus Scham darüber,  Deutscher zu sein, sondern, weil ich mit diesen Schreihälsen nicht in einen Topf geworfen werden will. Besonders bei Anlässen, wie einer Besichtigung des Karnak-Tempels in Ägypten, bei dem eine sangesfreudige Reisegesellschaft aus Idar-Oberstein „Oh, Du schöner Westerwald“ schmetterte, versuche ich, möglichst „undeutsch“ zu wirken.
Die Skandinavier haben nur wenig Anlässe, sich ihrer Vergangenheit zu schämen, bei der Kolonialmacht Holland sähe das ein wenig anders aus und auch die Dänen sind mit den Ureinwohnern Grönlands nicht gerade fein umgegangen, aber die schämen sich nicht. Im Gegenteil, in Edam habe ich sogar noch einen Kolonialwarenladen entdeckt. Auch kein Ami, kein Franzose, kein Brite schämt sich, obwohl die genug Scheiße gebaut haben.
Vielleicht dauert es nochmal 3 Generationen, ehe wir kein schlechtes Gewissen mehr haben (oder wütend werden), weil ein Holländer auf die Frage, ob man mit ihm Deutsch oder Englisch sprechen könne, antwortet:“ Both languages, but I prefer english.“
Im Übrigen gilt meine Faustregel: „In jedem Volk gibt es einen ungefähr gleichen Prozentsatz an Arschlöchern, aber den deutschen Arschlöchern haftet darüber hinaus halt noch die braune Vergangenheit an“.

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Über schwabenkrawall

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3 Antworten zu Wir Deutsche(n)?

  1. Ursula schreibt:

    habe mal ganz kurz ein „Netz“.
    Und jetzt sag ich mal:
    „Servus Herr Deutscher und grüße mir Frau Deutsche“ 😀 😀 😀

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