Archiv für September, 2014

Ich habe meine Frau um Dispens für diesen Beitrag gebeten und sie hat ihn mir gewährt. Sie ist Mainzerin.
Dazu muss man wissen, dass Rheinland-Pfalz (und drum herum) eine sprachliche Sonderstellung einnimmt. Die Pfälzer können kein „ch“ ausspreschen. (Es sei denn, es folgt lediglich ein Vokal drauf, wie bei „Woche“)*. Und wenn sie es trotzdem versuchen, dann endet es meist tragisch. Meine Gattin hat sich einmal Prellungen am Zungenbein zugezogen, als sie mir etwas von einem tschechischen Chemiker erzählen wollte. „Tscheschischä Schemikä“…“ein was?“..fragte ich zurück. Beim Versuch, es nochmal zu sagen, zog sie sich besagte Verletzung zu. Bei „Aschebeschä, „Messästeschä“ oder ähnlichen Begriffen muss man schon genau hinhören, damit man weiß, dass Aschenbecher und Messerstecher gemeint sind. Auch „Würstchen“ ist schwierig (und kommt im täglichen Sprachgebrauch auch häufiger vor als Messerstecher) und ich nicke mittlerweile, wenn ich gefragt werde, ob ich mit ein Paar Wüstschn zufrieden wäre. Als ich einmal einen ganzen Beutel Erdnüsse verschlang, meinte sie augenzwinkernd:“Na, Du Eischörnschn?“
Ein Problem wird erst dann daraus, wenn diese Leute in der Öffentlichkeit stehen. Während Rainer Brüderle Untertitel bei seinen TV-Auftritten bekam (in der Heute-Show), wusste Helmut Kohl sehr wohl um das Problem, machte aber aus lauter Eifer den Fehler, dort ein „ch“ zu nuscheln, wo eigentlich ein „sch“ hingehört. Unvergessen sein Satz anlässlich einer seiner Selbstbeweihräucherungen:

„MEINE AMTSZEIT SOLL KEINE NICHE IN DER GECHICHTE BLEIBEN!“

Ein chönes Wochenende wünche isch, auch für die Schischtarbeiter 🙂 🙂
*Stimmt nicht. „Nacht“ geht auch….nicht aber „Näschte“

„Jedem Deutschen, der noch einmal ein Gewehr anfasst, soll der Arm verdorren“ tönte kein Geringerer als Franz-Josef Strauss in der Nachkriegszeit (das revidierte er später aber in einer echt bayrischen 180º – Kehre wieder)
Das mit dem Verdorren braucht’s bald nicht mehr, denn mit den deutschen Waffensystemen sieht es eher schlecht aus,
Wie es um die Gewehre bestellt ist, weiß ich nicht, aber der Rest des Materials scheint dann doch in einem Zustand zu sein, der jedem Gegner und jedem Hard-core-Pazifisten das Herz vor Freude hüpfen lässt. Flinten-Uschi hat gestern im Staatsfernsehen darüber schwadroniert, aber ich habe von diesem Geschwurbel nichts verstanden….ausser, dass sie nix dafür kann. Das mag sogar stimmen, denn die Ausrüstung ist ja nicht erst seit von der Leyens Amtsantritt kaputt. Ach ja, „eine Umbruchsphase sei zu überwinden“ meinte sie…..“Bruch“ ist gut…
Von 109 „Eurofighter“-Jets sind grade mal 42 einsatzbereit, bei den „Tornados“ sind es 38 von 89. Die altersschwache Flotte der „Transall“-Transportflieger weist von 56 Maschinen nur noch 24 flugtaugliche Modell auf, bei den Hubschraubern vom Typ CH-53 sind es von 83 im „Buchbestand“ nur ganze 16, von den 13 „Patriot“-Raketenabwehrsystemen sind nur etwas mehr als die Hälfte derzeit funktionstüchtig. (Quelle:Spiegel)
Deshalb sitzen seit vergangenen Freitag 6 Fallschirmjäger in Bulgarien fest, (Sie sollen den kurdischen Kämpfern die deutschen Waffen erklären…..man hätte besser Mechaniker geschickt) Ihre ursprüngliche Transportmaschine hat einen Defekt und die Ersatzmaschine hat keine Einfluggenehmigung. Vielleicht scheitern Kriege ja bald an Technik und Bürokratie? Nee, die IS-Killer scheren sich nicht um Bürokratie und was kaputt ist, wird weggeschmissen. Geldquellen und Nachschubwege sind gesichtert.
Nicht so bei der Bundeswehr. Da ist kein Geld da….Schiffe, Panzer, Flugzeuge schon, aber wenn 2/3 kaputt sind, dann nutzt das nix. Ich kann die tollste Gitarre haben, aber ohne Saiten? Klingt echt scheiße…..
Ich bin zwar Pazifist, aber verteidigen sollte man sich schon dürfen und bei einem Einsatz gegen die IS würde ich auch Verständnis zeigen.
Bei dem derzeitigen Zustand der Ausrüstung jedoch erklärt man am besten gleich eine vorauseilende Generalkapitulation für etwaige Feinde, die hier einrücken wollen.
Mir ist jetzt auch klar,  weshalb sich Deutschland immer vor Auslandseinsätzen drückte: Das geschah nicht aus der Einsicht heraus, dass die meisten Nahosteinsätze illegal waren…Die wollten schon aber zwischen Wollen und Können steht halt ein Haufen Waffenschrott.
Was für ein Bild gibt das Land der Erfinder und Techniker im Ausland ab…..nicht nur zu blöd,  Flughäfen zu bauen, sondern auch noch unfähig,  seine Waffen in Schuss zu halten.

….ich weiß, es nützt wenig zu wissen, dass es Anderen noch beschissener geht. Auch ich habe gestern nachmittag noch schriftlich darüber reflektiert, ob mein Beruf eigentlich zu mir passte oder nicht. Er hat nur bedingt gepasst, aber immerhin hatte ich: „Geregelte Arbeitszeit, sehr anständige Bezahlung, bezahlten Urlaub, Kranken und Rentenversicherung etc. etc. Und zu allem Überfluss durfte ich auch noch mit 62 in den Ruhestand, der als Sahnehäubchen mit mtl.500€ Zusatzrente vom Arbeitgeber belohnt wird. Das ist zugegebenermaßen nicht die Regel in Deutschland, aber es gibt Menschen, die nicht einmal darüber nachdenken können, ob ihr „Beruf“ zu ihnen passt oder nicht. Die einzige Alternative, die ihnen bleibt, wäre der Freitod. Im Falle der Frau um die es geht, ist nicht einmal das eine Alternative, da sie 4 Kinder zu ernähren hat.
Als ich den Bericht (unter dem Link) gestern sah, blieb mir die Forelle Müllerin Art mit Schwenkkartoffeln im Halse stecken. Ich gebe zu, dass ich bis heute diese Bilder nicht aus dem Kopf bekomme. Damit Spediteure in 2 Ländern – Spanien und Marokko – sich Zölle und Steuern sparen, werden Menschen als Lastvieh benutzt, da man deren 50-80kg Lasten, die sie x-mal am Tag durch den Korridor zwischen der spanischen Exklave Mellila und Marokko, als „Handgepäck“ deklariert. Dieser Trick wird von beiden Ländern stillschweigend toleriert. Und so ächzen diese Frauen und Männer unter den Lasten, mit denen sich andere einen goldenen Arsch verdienen. Das menschliche Lastvieh bekommt dafür 3-4€ pro Tag. Natürlich ohne irgendwelche sozialen Absicherungen, denn sie sind „freie Unternehmer“.
Ich weiß nicht, ob ich kotzen oder heulen soll, wenn ich so etwas sehe. Ich weiß auch nicht, ob es politisch korrekt ist, diese unsäglichen Zustände mit unseren Verhältnissen zu vergleichen. Ich mache es trotzdem weil ich weiß, dass uns hier im Vergleich mit diesen Menschen die Sonne aus dem Arsch scheint.

Die Lastfrauen von Melilla“

Manche unserer Bekannten halten uns für bekloppt. Im Winter auf Teneriffa, im April/Mai in Portugal, August/September mit dem Auto 10.000km durch Skandinavien und die Niederlande, im November nach Australien und Ende des Jahres wieder ins Winterquartier auf Teneriffa. Dazwischen noch etliche kürzere Touren an den Walchensee, den Chiemsee und den Bodensee. Insgesamt waren wir dann ca. 24 Wochen nicht zu Hause. So geht das, (natürlich mit wechselnden Reisezielen) seit wir im Ruhestand sind.
Wozu sollten wir auch zu Hause sein? Die wenigen Gigs, die man noch ergattern kann verteilen sich auf den Rest des Jahres. Familie habe ich nicht und die Tochter meiner Frau ist noch mehr auf Achse, als wir.
Mit Mitte 60 ist es absehbar, wie lange man noch reisen kann und solange die Gesundheit noch mittut, sollte man dahin, wo es einen hin zieht. Glücklicherweise haben wir die Mittel, von denen man in der heutigen Zeit aber auch nicht weiß, wie lange der Oiro noch etwas wert ist. Die Gewissheit, dass  Europa immer mehr auf einen Big-Bang zusteuert, tut ein Übriges dazu.
Der wichtigste Grund aber ist…..wir haben zu viele Freunde und Bekannte unserer Generation in den letzten Jahren verloren. Die Reihen lichten sich und wir sagen uns „Solange man unterwegs ist, lebt man noch“ (ausser, man ist Passagier im Leichenwagen)
Deshalb schreibe ich weniger als vor meinem Ruhestand und wenn, dann sind’s meistens Reiseberichte, da wir im Ausland konsequent auf Nachrichten verzichten.
Es gibt Schöneres, als Berichte über eine komplett verrückt gewordene Welt. 🙂

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mir keine Nachrichten (95% sind ohnehin schockierend) mehr anzutun. Das funktionierte sehr gut, solange wir uns in Skandinavien befanden. Dort gibt es keine deutschen Fernsehprogramme und auf finnisch, schwedisch und norwegisch würde sich sogar die Ankündigung der finalen Schlacht noch lustig anhören (für uns, nicht für die Skandinavier)
Ändert es etwas, wenn ich mir das antue und sogar noch darüber schreibe? Wohl nicht…..wenn aber keiner mehr an dem alltäglichen Irrsinn Interesse zeigt, dann haben die neoliberalen, revanchistischen, faschistischen, steinzeitkapitalistischen, geldjonglierenden, manipulierenden, kriegstreibenden und islamistischen Dreckschweine noch leichteres Spiel. Immerhin hat der Versuch der Schotten, zurück in die Kleinstaaterei zu gehen, nicht geklappt (Obwohl ich nachvollziehen kann, dass man nicht von der Königinmutter des Neoliberalismus, David Cameron, regiert werden will) Allerdings keimt in mir der Verdacht, dass es hier weniger um den Patriotismus,  als eher um das Nordseeöl ging. Der Mensch teilt halt nicht gern. Ich warte auf eine bayrische Initiative, im Allgäu wird grad nach Öl gebohrt. (Das ist kein Witz)
Umschnitt: Der Emir von Katar ist da und wird von Frau Kanzlerin mit militärischen Ehren empfangen. (Könnte man eigentlich nicht mal jemanden mit friedlichen Ehren empfangen?) Der Chef eines Landes, mit dessen Ölmilliarden die IS-Massenmörder finanziell unterstützt werden (natürlich nicht offiziell)
Mein lieber Emir: Dich machen diese Schweine als Ersten um einen Kopf kürzer, sollten sie Deiner habhaft werden. Die wollen selbst Chef sein.
Umschnitt: Die Frage, wer DIE Supermacht auf diesem Planeten ist, wird augenscheinlich in Europa ausgetragen werden. Das Merkel hat der Ukraine ja schon wieder Assoziierungsavancen gemacht und der Nato-Beitritt dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Dann kann man endlich losschlagen. Dass in der Regierung dieses Natomitglieds Faschisten hocken, deren Söldner mit SS-Runen an der Uniform auftreten scheint egal zu sein. Unseren Staatsmedien schien das jedenfalls nicht erwähnenswert. „Gebt mir irgendeinen politischen Grund, damit wir losschlagen können!”(Moltke vor dem WK1)
Keine Bange Herr General, die Herrschaften bemühen sich nach Kräften!

Es ist einfach an der Zeit, immerhin hatten wir in Deutschland fast 70Jahre Frieden und so funktioniert der Kapitalismus nicht. Zuviel Frieden ist schlecht fürs Geschäft. 
Aber vielleicht kommen den Kriegstreibern ja Ebola oder die IS zuvor. Schon im Mittelalter hat denen die Pest ins Handwerk gepfuscht.
Mich erschreckt das alles nicht, im Gegenteil,  mich wundert, dass es so lange gut gegangen ist. Für uns. Die Stellvertreterkriege sind ein anderes Kapitel. Aber von irgendwas muss Krauss-Maffei ja auch leben.
Schau’n wer mal, vielleicht hab‘ ich ja Unrecht, aber ich wüsste nicht, wie man die Kurve noch kriegen kann.
Ich weiß nur eins: Sollte die Ukraine Natomitglied werden, dann knallt’s ganz sicher. Dann hat man endlich den Grund, nach dem Moltke weiland gebeten hatte.

Nach ziemlich genau 10.000km durch Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark und die Niederlande (dazwischen ein kurzes Gastspiel in Schleswig-Holstein) haben wir seit Montag  15.09.14 /12h wieder deutschen Asphalt unter den Rädern.
Die Hinfahrt, Stgt.-Berlin-Travemünde ging ja noch (oder wir waren noch nicht so verwöhnt), aber die Rückfahrt von Holland via Amsterdam…….Richtung Köln sollte es gehen, über Koblenz dann am Rhein entlang bis Mainz. Sollte es….Zwischen Köln und Koblenz hatte ein mit flüssigem Bitumen beladener 40-Tonner einen Reisebus gestreift und war umgekippt. Die erste, von 3! Vollsperrungen bis Stuttgart war erreicht. Dabei hatten wir noch Glück,  weil wir ziemlich genau vor einer Ausfahrt zum Stehen kamen.
Heute war’s noch wesentlich schlimmer. Von Mainz bis Weinstadt (230km) benötigten wir fast 5 Stunden. 3 Verkehrsmeldungen mit fast demselben Text: „Vollsperrung der A soundsoviel nach einem Unfall“ Einmal war’s der übliche LKW, der wieder mal ein Stauende übersehen hatte (Wohin schauen diese Idioten beim Fahren????)  Zweimal „nicht angepasste Geschwindigkeit“……Nicht angepasst? Sorry, werter Herr vom Verkehrsfunk,  aber auf vielen Teilen unserer BAB’s darf man 400km/h fahren, wenn’s die motorisierte Schwanzverlängerung hergibt! (Ich entschuldige mich für meine Ausdrucksweise, aber ich stehe noch unter Stress) Achja, die 2 Geisterfahrer habe ich beinah‘ vergessen.
Was ich sagen will: In keinem Land Mittel und Nordeuropas herrscht ein solches Gebaren, wie auf deutschen Straßen. Egoismus, Prahlerei, Dummheit, Ungeduld und Rücksichtslosigkeit sind die Norm, nicht die Ausnahme. Man könnte nun anführen: „Das kann man doch nicht vergleichen, in Skandinavien leben auf der Fläche Deutschlands grade mal 5 Millionen Menschen, da geht’s natürlich ruhiger zu“ Das stimmt zwar, allerdings gibt es dort auch weniger Straßen. Anyway, mit Holland kann man Deutschland schon vergleichen. Holland hat ca. doppelt so viele Einwohner pro Km2 wie wir. Es ist zwar kein Transitland wie Deutschland, aber die doppelte Menge Einw./Km2 dürfte diesen Aspekt wieder aufwiegen.
Und dennoch….während einer Woche und etlichen Kilometern in Holland hatten wir keinen annähernd so hohen Stresspegel, wie nach 2h deutschen Haupt-und Nebenstraßen.
Ehe ich vergesse, was ich sagen will….in Skandinavien darf man – je nach Land – zwischen max. 100 und max.120km/h fahren, auf holländischen Autobahnen max.130. Und man hält sich dran. Es wird Zeit, dass unsere feigen Politiker die heilige Kuh der „freien Fahrt für freie Bürger“ schlachten. Wir schimpfen zwar über die amerikanischen Waffengesetze, dabei benutzen nicht Wenige in unserem Land ihr Auto auch wie eine Waffe. Meines Erachtens ist diese asynchrone Fahrweise zwischen 100 und 250km/h eine der Hauptursachen für Staus. Wer sich von Berufs wegen mit Strömungslehre befassen muss, wird mir recht geben.
Ein Vorschlag zur Güte (für Diejenigen,  die der seltsamen Auffassung sind, unbegrenzte Geschwindigkeit habe etwas mit Freiheit zu tun):“ Von 04:00h – 01:00h max. Tempo 130h. Zwischen Ein und Vier Uhr morgens auf bestimmten Teilen der Autobahn Feuer frei. Anständige Bürger befinden sich zu dieser Zeit im Bett und eventuelle Trümmer dürften bis zum Einsetzen des Berufsvekehrs beseitigt sein.
Wie wär’s Herr Dobrind? Nein, dafür sind Sie zu feige, wetten?

Wir Deutsche(n)?

Veröffentlicht: September 12, 2014 in Deutschland, Europa, Politik, Reisen
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Da geht’s schon los. Ich weiß immer noch nicht, ob es  in dem Fall „Deutschen“ oder „Deutsche“ heißt. Der Duden erklärt, dass zwei Formen nebeneinander existieren, eine starke („wir Deutsche“) und eine schwache („wir Deutschen“). Ich finde, Beide klingen bescheuert.
Was ich eigentlich sagen will:“Wir Deutsche(n) sind uncool“. Also, jetzt nicht alle, aber doch die Meisten und besonders die, meiner Generation. Wir sind grad von einem Zug durch ganz Skandinavien und Holland auf dem Heimweg und irgendwie hatte ich das Gefühl,  dass die Leute hier oben lockerer drauf sind.
Es ist ja auch nicht leicht, ein Deutscher zu sein, schließlich tragen wir eine historische Verantwortung,  obwohl kein Deutscher unter ca.90 etwas mit dieser Geschichte zu tun hat. Da nützt auch das Wissen darüber nichts, dass 40.000 Holländer, 8.000 Dänen, 8.000 Norweger und 3.000 Finnen Angehörige der Waffen-SS waren. Nur die Schweden waren mit lediglich 300 Mitgliedern in dieser „SchutzStaffel“ zurückhaltender vertreten.(Dazu gab es mehrere Quellen mit unterschiedlichen Zahlen, aus denen ich einen Mittelwert gebildet habe) Wie auch immer, nur wir tragen die historische Verantwortung, wie schon erwähnt. Nun gibt es anscheinend nur 2 Möglichkeiten mit der Last, Deutscher im Ausland zu sein, umzugehen. Entweder, man benimmt sich äußerst unauffällig, oder man brüllt möglichst laut in seiner Muttersprache in der  Gegend rum, als wolle man sagen:“Seht her, ich bin Deutscher und es ist mir völlig wurscht, dass ich gerade im norwegischen Narvik vor einer Gedenktafel stehe, die an die Opfer während der deutschen Besatzung erinnert.“ Nach einer dritten Möglichkeit suche ich noch.
Ich gebe mich in diesen Fällen gern als Schweizer aus, nicht aus Scham darüber,  Deutscher zu sein, sondern, weil ich mit diesen Schreihälsen nicht in einen Topf geworfen werden will. Besonders bei Anlässen, wie einer Besichtigung des Karnak-Tempels in Ägypten, bei dem eine sangesfreudige Reisegesellschaft aus Idar-Oberstein „Oh, Du schöner Westerwald“ schmetterte, versuche ich, möglichst „undeutsch“ zu wirken.
Die Skandinavier haben nur wenig Anlässe, sich ihrer Vergangenheit zu schämen, bei der Kolonialmacht Holland sähe das ein wenig anders aus und auch die Dänen sind mit den Ureinwohnern Grönlands nicht gerade fein umgegangen, aber die schämen sich nicht. Im Gegenteil, in Edam habe ich sogar noch einen Kolonialwarenladen entdeckt. Auch kein Ami, kein Franzose, kein Brite schämt sich, obwohl die genug Scheiße gebaut haben.
Vielleicht dauert es nochmal 3 Generationen, ehe wir kein schlechtes Gewissen mehr haben (oder wütend werden), weil ein Holländer auf die Frage, ob man mit ihm Deutsch oder Englisch sprechen könne, antwortet:“ Both languages, but I prefer english.“
Im Übrigen gilt meine Faustregel: „In jedem Volk gibt es einen ungefähr gleichen Prozentsatz an Arschlöchern, aber den deutschen Arschlöchern haftet darüber hinaus halt noch die braune Vergangenheit an“.

Da sage noch Einer, wir lebten in Deutschland beengt…..Holland ist uns über. Auf einem 20tel der Fläche Skandinaviens tummeln sich ca. doppelt so viele Niederländer (wie es richtigerweise heißen muss, Holland ist nur ein Teil der Niederlande). Das sind 402 Einwohner pro km2. In Norwegen sind es 13, in Deutschland 226.
Für mich als jemand, der ab und zu unterwegs seine Blase erleichtern muss, ist so ein kompakter Lebensraum kein gutes Pflaster.
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Büsche neben der Straße gibt es kaum, dafür viele wassergefüllte Gräben und Grachten. Allerdings gibt es in den Innenstädten nach hinten offene Pissoirs (3Stück im Kreis, wie in einer Litfaßsäule) und ich weiß nicht, ob ich da könnte, denn ich bin ein schamhafter Mensch, christkatholisch und deshalb mit einer schüchternen Blase behaftet.
Es gibt aber ansonsten nicht viel an dem Land zu beanstanden (bis jetzt) und da der Duster dieselbetrieben ist, muss ich auch keine 1,75 für Benzin, sondern nur 1,39 für Diesel bezahlen. Die holländische Sprache klingt nicht lustig wie die Norwegische, sondern eher streitlustig. Mit Halsweh ist sie nicht zu bewältigen. Auch wenn auf einem Schild an einem Haus „Huren?“ steht, sollte man sich nicht erschrecken,  das bedeutet nur „Mieten?“
Die Holländer fahren fast alle „Fiets“ und man kann sie auf ihren Fahrrädern von den deutschen Touristen dadurch unterscheiden,  dass sie keine Helme tragen. Vermutlich haben sie härtere Schädel als die Teutonen. Überhaupt sind diese Leute sehr imposant, es sind – statistisch gesehen – die längsten Menschen auf diesem Erdenrund. Vermutlich kommt das von der guten holländischen Butter oder so, von dem schnittfesten Wasser, das sie uns als Tomaten verscherbeln,  kann es jedenfalls nicht kommen. Ich habe mit diesen Leuten noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, aber ein Freund hat heute behauptet, manche Niederländer würden sich eher die Zunge abbeißen, als Deutsch zu sprechen, selbst, wenn sie es gut beherrschen.
Allerdings kann man das Geschriebene gut verstehen, denn Niederländisch ist nichts anderes als ein niederdeutscher Dialekt, auch wenn das mancher nicht gern hört.
In Edam trafen wir 2 australische Damen und das war ein Zeichen, denn später am Tag wurde Jule von einer Facebookfreundin angestupst. Es handelte sich um Maggie, die mit ihrem Mann Heiner in Townsville/Australien lebt! Sie lägen auf ihrem Schiff in Alkmaar vor Anker und wir könnten ja mal auf einen Kaffee….?
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Das darf ja wohl nicht wahr sein, die Beiden hatte ich zuletzt vor 20 Jahren in Australien getroffen, auch auf einen Kaffee. Toll, da trifft man einen Waiblinger,  der seit Jahrzehnten in Australien lebt, mit seiner reizenden Gattin in Holland. Jetzt hat Jule den Wunsch geäußert, mit dem Schiff der Beiden nach Amsterdam zu schippern…..mal schaun‘ ob das klappt. Ich werde darüber berichten.