STADTFESTE: Der Suff, der Kommerz und die Anspruchsgesellschaft.

Veröffentlicht: Juni 29, 2014 in Alkohol, Alkohol und andere Drogen, Bildung, Deutschland, Musik, Sch(w)äbisches
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Es ist Frühsommer, Zeit für die traditionellen Stadt- oder Straßenfeste. Einer der ursprünglichen Gedanken war, dass die Vereine und Organisationen wie freiwillige Feuerwehr, Rotes Kreuz etc. ihre chronisch leeren Kassen ein wenig sanieren könnten. Es ging also um die, die ohnehin schon das ganze Jahr über den größten Teil ihrer Freizeit der Allgemeinheit opfern.
Und natürlich ging es darum, dass die jeweiligen Städte sich in ihrem besten Licht präsentieren. Das ging in den Anfangsjahren recht gut, man traf sich, hatte seinen Spaß und jeder hatte etwas davon. Irgendwann ging etwas kaputt. Insbesondere das ASTAF meiner Heimatstadt Waiblingen wird im Netz heftigst kritisiert. Kommentare, teils mit übelsten Beschimpfungen und Beleidigungen wabern durchs Netz:“ Scheiß-Musik, Schande für die Stadt, wollen die uns verarschen? “ Die völlig unter der Gürtellinie Liegenden lasse ich weg…auch aus Fremdscham darüber,  dass die meisten dieser Kommentare in einem Deutsch gehalten sind, für die ein Viertklässler eine 5- bekäme.
Diese feierwütigen Kritiker möchte ich etwas fragen: “ Habt Ihr jemals auch nur einen Finger für die Allgemeinheit gerührt?  Seid Ihr jemals ohne einen Cent Bezahlung 3 Tage hinter einem Tresen gestanden und habt Euch zum Dank dafür von Besoffenen beschimpfen lassen müssen? Habt Ihr jemals unentgeltlich beim Auf und Abbau  der Stände geholfen?
Habt Ihr je als Musiker für eine eher symbolische Gage auf der Bühne gestanden, habt Euch nach dem Abbau die Reifen in 20cm hohen Glasscherbenhaufen zerschnitten?(Mir wurde einmal ein Aussenspiegel mit einer Sektflasche zertrümmert) wenn jemand auch nur eine dieser Fragen mit ja beantworten kann, dann kann er mit Fug und Recht kritisieren. 
Alle Anderen, die Top-Bands und Entertainment vom Feinsten fordern, ohne einen Cent dafür zu berappen, sollten besser ihr Schandmaul halten. Dieses Anspruchsdenken kotzt mich an. Alles haben wollen, sich bespaßen lassen, Ja. Dafür etwas zu leisten, oder zu bezahlen: Nein. Geld wird lieber in das neueste Smartphone investiert, mit dem man dann seine Hasstiraden direkt vor Ort in FB posten kann.
Oder fragt mal bei der Stadtkämmerei nach, weshalb sich die Vereine keine besseren Bands leisten können? 
Oder macht doch selbst was? Aha, keinen Bock….. na, dann geht auf andere Feste, wenn es dort besser ist.  .
Ich fordere alle Waiblinger Vereine auf, das ASTAF zu boykottieren. Am Ende bleibt – außer der Kritik unserer Anspruchsgeneration – eh‘ nichts übrig…..

Über juvenile Alkoholexzesse und dem damit verbundenen Brauch, Flaschen und Gläser auf öffentlichen Straßen und Grünflächen zu zerschmettern, schreibe ich an anderer Stelle.

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Kommentare
  1. Tut mir leid, dass euer Fest so schlecht geworden ist.
    Allerdings möchte ich zumindest für Leute meiner Generation eine Lanze brechen. Für jüngere kann ich nicht sprechen. Jedenfalls kenne ich schon einige, die sich stark engagieren, ein Fest in einer näher gelegenen Gemeinde wurde sogar komplett von Jugendlichen und jungen Erwachsenen organisiert und wurde immer größer und bekannter.
    Ich kenne auch das Gegenteil, mit Randalierern und Komasäufern…
    Ich möchte das auch nicht schön reden, fände es aber schade, wenn wegen so etwas Feste dann nicht mehr stattfänden.
    Also beim hiesigen Weinfest wird seit ein paar Jahren verstärkt auf Jugendschutz geachtet. Altersbändchen, Ausweiskontrollen, Infoplakate und viel Security.
    Nicht unbedingt schön, aber wenn es ein bisschen hilft…

  2. muffy2013 sagt:

    Du hast noch die Rabauken vergessen die sich vorab mit den Billiggesöffen aus dem Supermarkt volllaufen lassen,dann auf die Feste gehen um zu randalieren und die Strassen vollkotzen.Ich habe zweimal beim Schäferlauf in Markgröningen ausgeholfen.

  3. muffy2013 sagt:

    Hallo Mister Udo Pahl,so trifft man sich mal wieder und wenns auch nur im Internet ist.Es waren seinerzeit doch lustige Zeiten.Der Bernd kann Dir sicher sagen wer ich bin.

  4. Udo Pahl sagt:

    Und ich hab‘ mich erst geärgert; schlimm, diese jugendliche Wegwerfgesellschaft, die alles fordert, aber nichts zu geben bereit ist. Deine Frage nach dem Gemeinsinn, lieber Bernd, kann ich nur unterstreichen. Hinter dem Thresen stehen oder bei der Rücknahme fördert ja auch nicht unbedingt den eigenen Spass. An den Stellen muss man ja arbeiten!!!

    Und hinsichtlich der Ständemiete, was also die Gemeinde von der Allgemeinheit einfordert, um es der Allgemeinheit „zugute kommen zu lassen“, kann ich nur sagen: WUCHERZINS – wie im Mittelalter – reine Abzocke. Für was denn eigentlich? Diese Flächen gehören doch den Bürgern im Sinne des allgemeinen Besitzes.
    Die Stadt brüstet sich im Prinzip mit fremden Federn. Sollen die den ganzen „Scheiss“ doch einmal allein machen. Und nicht einmal dann dürften die Geld für Stände verlangen. Dazu, ein derartiges Fest zu organisieren, sind die allerdings logisisch schon garnicht in der Lage.
    Aber Werbung machen als Image-Kampagne – das tut man gern. Alles Heuchler und bei der Eröffnung den „offizellen Status“ vortäuschen – auch im Zusammenhang mit den Delegationen aus den Partnerstädten.
    Schande über die eine derartige Verwaltung!!!

    • Ich habe unseren gemeinsamen Freund Steph gebeten, heute einmal Klaus Riedel wegen der schlimmen Rahmenbedingungen für die Bands anzusprechen. Den teuren, völlig unsinnig platzierten und unnötigen Bühnenaufbau. Man könnte das Dachkonstrukt am Übergang vom Rathaus zum Sitzungssaal nutzen. Das würde Geld für gute Bands freimachen. Dann 6 Stunden spielen!!!! Stephan hat mir grad geschrieben, die Leute hàtten dirtyoldmen erwartet, aber ich KANN und will keine 6 Stunden spielen. Ich bin mit 64 einfach zu alt dafür. So haben die dieses Jahr ein Konserven-Trio engagiert, das völlig schamlos teilweise zu Originalaufnahmen so tut, als würde man selbst singen und spielen. Die müssen sich dringend was überlegen, sonst ist das ASTAF Geschichte (Was mir persönlich egal wäre)

  5. Ursula sagt:

    diese „Sauf-Semper-Kultur“ ist überall zu finden.
    In unserer Kreisstadt fand zur Faschingszeit eine Sause statt. Die Anwohner haben sich danach – wie ich meine zu Recht – beschwert. Scherbenhaufen vor der Haustür, zugemüllte Briefkästen und die Hauseingänge als Urinal missbraucht. Nur um einige Schandtaten aufzuzählen. Es wurde schon überlegt, diese Art von „Festen“ ganz zu streichen. Bei Stadtfesten wurde Eintritt erhoben, weil die Müllbeseitigung Tage in Anspruch nahm. Inzwischen wurde auch dieses Fest gestrichen.

    Leider artet es überall aus. Weihnachtsmärkte sind ein einziges Glühwein-Saufgelage. Beginn um zehn Uhr Vormittag. Man wird von den Geruch selbst besoffen, wenn man in einem Geschäft in der Nähe einkaufen will.

    • Ich hab mich gestern derart geärgert…Ursula, schau mal auf die Seite „Du weißt, dass Du Waiblinger bist…..“

      • Ursula sagt:

        ich habe jetzt einige Kommentare gelesen. Da wird mir schlecht, wenn ich die vielen Rechtschreibfehler lesen muss…….
        Werde jetzt Kirschmarmelade machen – vielleicht bin ich danach in der Lage mir weitere „Ergüsse“ anzutun.. 😀

      • Heb uns was auf von der Mammalad‘

      • Ursula sagt:

        werde ein Glaserl zur Seite stellen, das dann auf Euch wartet 😀

        Hätte beinahe auch meinen Senf auf der von Dir erwähnten FB-Seite abgegeben. Aber die meisten Kommentatoren sind mir viel zu primitiv. Man kann noch von Glück reden, dass sie Deinen Beitrag lesen können – wenn sie es getan haben – verstanden haben sie ihn sicher nicht.

    • muffy2013 sagt:

      Leider,Leider sind diese Feste immer mehr zu Sauforgien verkommen.Der ursprüngliche Sinn des gemeinsamen Beisammenseins und fröhlichen Feierns ist leider total untergegangen.

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