Über den Stolz im Allgemeinen und den Nationalstolz im Besonderen

„Der Stolz ist die Freude, die der Gewissheit entspringt, etwas Besonderes, Anerkennenswertes oder Zukunftsträchtiges geleistet zu haben, daran mitzuwirken oder es zu verkörpern. Dabei kann der Maßstab, aus dem sich diese Gewissheit ableitet, sowohl innerhalb eines eigenen differenzierten Wertehorizonts herausgebildet als auch gesellschaftlich tradiert sein. Im ersten Fall fühlt man sich selbst bestätigt und in seiner Weltanschauung bestärkt („Ich bin stolz auf mich“), im anderen Fall sonnt man sich in der gesellschaftlichen Anerkennung („Ich bin stolz, etwas für meine Stadt geleistet zu haben“). (Quelle:Wikipedia)

Vorweg: Ich will an dieser Stelle nicht über die Landsleute urteilen, die stolz auf ihre Nation sind. Und ein Deutscher ist natürlich genauso viel wert wie jeder Andere.
Von mir aus soll jeder auf das stolz sein, was er für richtig hält. Einer meiner Bekannten ist sogar stolz auf sein Auto, obwohl er es nicht selbst gebaut hat und dazu noch ein mehr als fragwürdiges Fahrtalent besitzt.
Ich wäre auf meine schöne Gitarre stolz, wenn ich sie selbst gebaut hätte. Hab‘ ich aber nicht. Wenn mir jedoch auf ihr ein besonders schönes Solo gelingt, darauf bin ich stolz wie Bolle. Und zwar zurecht. Dazu hab‘ ich etwas beigetragen.
Doch welche Leistung habe ich eigentlich erbracht, Deutscher zu sein? Mir fällt keine ein….
Es ist für mich eine Definitionsfrage und die Beschreibung in Wikipedia deckt sich mit meinen Anschauungen. Aber wie schon erwähnt,  ich spreche da nur für mich.
Nicht stolz darauf zu sein Deutscher/Italiener/Amerikaner oder was-auch-immer zu sein, bedeutet jedoch nicht, sich dafür zu schämen.
Ich bin glücklich, hier geboren und aufgewachsen zu sein, in diesem schönen reichen Land, dem ich eine gute Ausbildung und einen relativ hohen Lebensstandard verdanke. (Deshalb käme ich übrigens nie auf die Idee, aus steuerlichen Gründen ins Ausland zu ziehen, wie einige unserer Sporthelden,  für die Schwarz-Rot-Goldene Flaggen geschwenkt und Nationalhymnen gespielt werden.)
Da bin ich Patriot.
Aber stolz darauf Deutscher zu sein? Auf eine pure Laune der Geschichte? Hätte es den 2.Weltkrieg nicht gegeben, wäre ich vermutlich in Jugoslawien geboren, von wo meine Eltern während des Krieges geflüchtet waren.
Stolz darauf ein Deutscher (oder Angehöriger jeder anderen Nationalität) zu sein, bleibt für mich ein ewiges Rätsel. Mit mir darüber zu streiten ist im Übrigen zwecklos 🙂
„Right or wrong, my country“ sagen die Briten. Immerhin sind die auch auf das „wrong“ stolz und picken sich nicht nur die Rosinen raus 🙂

Schon Schopenhauer sagte: „Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.“

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Über schwabenkrawall

Musiker, Freidenker, Schelm, Schreiberling
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5 Antworten zu Über den Stolz im Allgemeinen und den Nationalstolz im Besonderen

  1. muffy2013 schreibt:

    Stolz kann NUR DER sein,der etwas aus seinem Leben gemacht hat.Da spielt die Nationalität KEINE Rolle.

  2. Ursula schreibt:

    ist Stolz und Hochmut das gleiche? Wenn ja, kommt letzterer vor den Fall…..

  3. Ursula schreibt:

    auch das steht auf Wikipedia, ich zitiere:
    Stolz [von mnd..: stolt = prächtig, stattlich] ist das Gefühl einer großen Zufriedenheit mit sich selbst, einer Hochachtung seiner selbst – sei es der eigenen Person, sei es in ihrem Zusammenhang mit einem hoch geachteten bzw. verehrten „Ganzen“.

    Es gibt natürlich auch den „falschen Stolz“ – aber über den wollen wir hier nicht sprchen. Ich zumindest nicht!

    • schwabenkrawall schreibt:

      „In ihrem Zusammenhang“…Das ist der Knackpunkt. Wo ist der Zusammenhang? Weil man hier geboren ist?

    • schwabenkrawall schreibt:

      Ihr Bayern habt einen schönen Spruch:“Dummheit und Stolz, wachs‘ n am selben Holz“ Diese Leute meine ich, die, wie Schopenhauer sagte:“ Zum letzten Mittel greifen, damit sie auf etwas stolz sein können, weil sie sonst nichts haben.“ Ich finde es schön, wenn der Bayer sagt:“ Do bin i dahoam“. Das passt.

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