Dinge, die mich nerven. Teil 1. „Die schwere Kindheit“

  • Schwere Kindheit als Ausrede für daraus resultierende soziale Auffälligkeiten

Ich hatte auch eine schwere Kindheit. Mein Alter kam so ziemlich jeden Abend besoffen nach Hause und hat oft genug meine Mutter durch die Wohnung geprügelt.
Wir Kinder lagen zitternd im Bett und hofften, dass er irgendwann einschläft. Das änderte sich erst, als mein Bruder alt genug war, ihm eine zu scheuern. Danach war Schluß. Außerdem ging seine Leber in die Knie und damit auch seine Aggressivität. Ich trag’s ihm nicht nach, es war wie es war. Fertig. Friede seiner armen Seele. Höhere Schule war nicht, das hatte mein Vater verboten weil kein Geld da war und wir der Familie nicht weitere Schuljahre sowie einer evtl. Studienzeit auf der Tasche liegen sollten. Ich kam mit 13 Jahren in die Lehre . Mit 13!! Das wäre heute ein Straftatbestand. Trotzdem immer noch keine Rechtfertigung für ein verpfuschtes Leben.
Heutzutage wird eine solche Vorgeschichte bei jeder Gerichtsverhandlung als strafmildernd gewürdigt.
Dass ich mein Leben bewältigte ohne Straftaten zu begehen, oder sonst „auffällig“ zu werden ist dem Umstand geschuldet, dass ich seit meinem 27. Lebensjahr keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt habe. Bei meinen genetischen Voraussetzungen die einzige Alternative. Das war meine Entscheidung und diese Entscheidungsfreiheit hat jeder. Trotz miesester Perspektiven habe ich es geschafft, nie im Knast gelandet zu sein und den Staat keinen einzigen Tag lang um Geld bitten zu müssen.
Vor Allem: Ich wurde kein Nazi, der für seine eigenen Unzulänglichkeiten alles Nicht-Deutsche verantwortlich macht.
.

Klarstellung: Natürlich ist deshalb nicht  jeder Empfänger von Transferleistungen selbst für seine Situation verantwortlich, ich will niemanden damit brüskieren oder kränken. Manchmal kommen eben noch Umstände  hinzu, von denen ich glücklicherweise verschont blieb.

 

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Über schwabenkrawall

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3 Antworten zu Dinge, die mich nerven. Teil 1. „Die schwere Kindheit“

  1. Klaus schreibt:

    Wenn heute ein Strafverteidiger bei der Verteidigung eines 40 oder 50jährigen auf die schwere
    Kindheit plädiert frage ich mich:Ist das alles was von seinem Jurastudium übrig blieb.
    Ich würde es sogar als Vorsatz und somit straferschwerend werten.Denn eben die Leute mit
    schwerer Kindheit sollten wissen,dass man das Leid seiner Kindheit nicht an Unbeteiligten aus-
    lässt.Auch ich hatte keine einfache Kindheit.

  2. Mona schreibt:

    wieder mal perfekt auf den Punkt gebracht!

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