Ein braunes deutsches Sportpaket…

…blieb sehr lange verschnürt. Da auf Druck der Amerikaner in Berlin 36′ auch jüdische Sportler teilnehmen sollten, wurde Gretel Bergmann unter Androhung von Gewalt gegen ihre Familie gezwungen, für Deutschland im Hochsprung zu starten. ( was die Nazis später mit einer Lüge verhinderten)
Einen Boykott hatte der Amerikaner Avery Brundage unter zweifelhaften Umständen verhindert. Er behauptete nach einer Reise durchs Reich, es gäbe keine Probleme für jüdische Sportler in Nazi-Deutschland.

Gretel Bergmann stellte im Vorfeld der olympischen Spiele mit 1,60m einen deutschen Rekord auf.
Dieser wurde 2009 !!! anerkannt. Da hat’s mit der Entnazifizierung wohl nicht so arg pressiert…

Mir bereitet es noch immer Vergnügen, wenn ich sehe, wie sich der Gröfaz Hitler vor Wut auf den Oberschenkel schlug, als der schwarze Untermensch Jesse Owens die germanischen Herrenmenschen um Längen hinter sich ließ.
Ärgerlich nur, das er beim Speerwerfen zu weit weg für ein gezielten Wurf war.

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Über schwabenkrawall

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2 Antworten zu Ein braunes deutsches Sportpaket…

  1. Corinna schreibt:

    Dazu nun doch einige Anmerkungen, zumal heute der Film „Berlin ’36“ in der ARD zu sehen war.

    Die Gretel Bergmann ist dann doch noch, was man angesichts dessen was ihr angetan wurde schon bewundern muss, über ihren eigenen Schatten gesprungen:

    „In den 1980er Jahren nahm der Vorsitzende ihres alten Laupheimer Sportvereins Kontakt mit ihr auf. Er schrieb auf Deutsch, sie antwortete auf Englisch. Ganz langsam entstand wieder eine Verbindung. Als sie 1994 vom Nationalen Olympischen Kommittee nach Deutschland eingeladen wurde, lehnte sie ab. Nie wieder wollte sie deutschen Boden betreten. Die Einladung, als Ehrengast des NOK die Spiele in Atlanta 1996 zu besuchen, nahm sie jedoch an. Und als sie drei Jahre später einen Anruf erhielt, sie sei Preisträgerin des Georg von Opel-Preises in der Kategorie „Unvergessene Meister“, wagte sie noch einmal einen ganz großen Sprung, diesmal über den eigenen Schatten. Sie kam nach Frankfurt, um den Preis in Empfang zu nehmen. Und um dabei zu sein, als die Sporthalle ihrer Heimatstadt Laupheim in Gertel-Bergmann-Halle umgetauft wurde. Im Rathaus von Laupheim hielt sie eine Rede. „Ein Jude in Deutschland zu sein hieß zu leiden. Das Land, das ich so geliebt hatte, erwiderte meine Liebe mit Hass, Hass auf mich und das ganze jüdische Volk. Und ich selbst verzehrte mich im Hass auf alles Deutsche, und dieses Gefühl blieb sehr lange bestehen.“ Aber in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung sagte sie auch: „Ich werde nie vergessen, was geschehen ist. Aber ich bin froh, dass ich mich überwunden habe zu kommen. Wissen Sie, es ist nicht schön, mit all dieser Bitterkeit im Inneren zu leben.“
    http://www.sportsfrauen.de/portraets/bergmann.html

    Dass sich Adolf Hitler über Jesse Owens geärgert hat, ist bekannt. Nur noch schön wie sich dieser „Untermensch“ erdreistete, „Führer, Volk und Vaterland“ den ganzen Irrsinn der braunen Ideologie weltöffentlich vor Augen zu führen indem er die ganzen „rassisch überlegenen Arier“ weit hinter sich liess.

    Wahrscheinlich hat sich Hitler auch über das Ergebnis im Hochsprung der Damen geärgert, denn statt der Dora Ratjen gewann dann die ungarische Jüdin Ibolya Csák und das finde ich die wahre Ironie der Geschichte dass statt der jüdischen Deutschen die wie bekannt um ihren Start betrogen wurde nun die jüdische Ungarin die Goldmedallie bekam.

    Die wirklich tragische Figur in dieser Geschichte ist für mich aber die Dora Ratjen, die im Film Marie Ketteler hiess, anatomisch eher ein Mann war (sehr wahrscheinlich intersexuell) und sich auch als Mann fühlte, von der Familie allerdings als Mädchen aufgezogen wurde und auch, wie im Film gezeigt, an den Frauenwettbewerben im Hochsprung teilnahm. Erst 1938 provozierte er seine Enttarnung und lebte ab 1939 als Mann namens Heinrich (Rufname: Heinz) weiter, übrigens zunächst gegen den Widerstand seines Vaters der in ihm weiterhin die Tochter sah.

    Ob nun Dora/Heinz von den Nazis benutzt wurde wie im Film gezeigt oder ob die Nazis selbst getäuscht wurden, wird wohl nie ganz zu klären sein. Vieles spricht für die zweite Version. Eine sehr schöne Darstellung findet sich in http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/4960/skandal_um_dora.html .

    Heinz Ratjen muss die ersten 20 Jahre seines Lebens entsetzlich unglücklich gewesen sein, denn wenn auch im quasi-richtigen Körper (über eine spätere Operation ist nichts bekannt) so wurde er doch von seiner Familie zu einem Leben in falscher Verpackung gezwungen. Da ich selber transsexuell bin weiss ich was ein solches Leben für den Betroffenen heisst und deshalb war es mir wichtig darauf hinzuweisen dass es bei der Geschichte zwei Verlierer gibt – Heinz Ratjen wurde von seinen Eltern um seine Jugend betrogen, Gretel Bergmann wurde von den Nazis um ihre Olympia-Teilnahme und den durchaus möglichen Olympiasieg betrogen.

    Was übrigens weitgehend unbekannt ist: Bei der Olympiade 1936 belegte die polnische Leichtathletin Stella Walsh bei den 100m der Frauen den 2.Platz (1932 in Los Angeles war sie Olympiasiegerin), anlässlich ihrer Obduktion 1980 nachdem sie als Passantin bei einem bewaffneten Raubüberfall in Cleveland erschossen worden war stellte sich heraus dass sie männliche Geschlechtsorgane hatte.

    • schwabenkrawall schreibt:

      Danke für Deine detaillreichen Anmerkungen. Man sieht, da kennt sich jemand mt dem Thema aus. Für mich war auch „Marie“ die eigentliche tragische Figur des Filmes.

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