Der Stuttgarter Wahnhof

Der Stuttgarter Größenwahnhof wird gebaut. Endlich bekommt Stuttgart den teuersten Bahnhof der Welt. Als Weltstadt steht einem das zu. Allein schon wegen der „Magischtrale-Budapescht – Paris“ (Originalton Gönner)

Nachdem nun auch der Herr Oettinger in Freiburg erklärt hat, warum denn Paris bloß einen Kopfbahnhof hat (weil es westlich von Paris keine Menschen mehr gibt) wird klar, dass wir das Milliardenloch graben müssen, weil westlich von Stuttgart ja gleich Leonberg kommt und da Leute wohnen.

Spaß beiseite:

Dass die tatsächlichen Kosten weiterhin Geheimsache der Bahn bleibt, spielt keine Rolle, denn man hat dem Bürger erfolgreich suggeriert: „ nun ist schon soviel ausgegeben worden, da kann man nicht mehr stoppen“.

Dann muss man nur noch für 130.000 Euro ein Faltblatt für alle Stuttgarter Haushalte produzieren, für die Freitags BLÖD – Zeitung einen Bepper mit „NEIN zum Ausstieg“ in Auftrag geben, dann kommt sogar der sparsame Schwabe in’s Grübeln.

Schließlich zahlt ja auch Europa für den Bahnhof (was überhaupt nicht stimmt)

Dann noch die Arbeitsplatzargumentation, die ja auch längst widerlegt ist und das Argument, dass man das Geld nehmen muss, wenn man’s schon kriegt.

Dass Baden-Württemberg und Stuttgart den Löwenanteil zahlen, ist für den, der es wissen will, längst kein Geheimnis mehr.

Ist es aber nicht auch eine schwäbische Weisheit, dass man gutes Geld Schlechtem nicht hinterher schmeißen soll?

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass sich die Mehrheit der Befürworter nicht mit den Fakten befasst hat, sondern einfach einem Gefühl gefolgt ist.

Dann noch der dumpfe Hass gegen alles Aufmüpfige, der Aufruf in Facebook, “ dass man Kretzschmann an einen Baum hängen sollte, solange noch welche im Schlosspark stehen“, spricht Bände. Dazu ein etwas unglücklich agierender Parkschützerchef….das alles trägt zu diesem Ergebnis bei.

Aber so ist Demokratie: Auch nicht Informierte dürfen wählen.

Ich füge hier noch den Artikel aus dem Stern ein, der mich bewog, mich noch näher mit der Geschichte zu befassen: (ich gehe nicht davon aus, dass Architekten grundsätzlich an Horrorszenarien denken, sondern kühle Planer und Rechner sind)

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26. August 2010, 08:36 Uhr

„Gefahr für Leib und Leben“: Stuttgart 21-Architekt fordert den sofortigen Baustopp

Der Stararchitekt Frei Otto, einer der Väter von Stuttgart 21, fordert einen Stopp des umstrittenen Bahn-Projektes. In der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern warnt Otto eindringlich davor, mit dem Bau des neuen Hauptbahnhofes zu beginnen. Man müsse jetzt „die Notbremse ziehen“, es gehe „um Leib und Leben“.

Otto, der vor einem Jahr aus der S-21-Projektgruppe wegen wachsender Sicherheitsbedenken ausschied, sagte dem stern, dass er „laut“ werden müsse: „Aus moralischer Verantwortung heraus kann ich nicht anders handeln“. Mehrere Gefahren sieht der Architekt, der 1997 gemeinsam mit Christoph Ingenhoven den Wettbewerb für den Tiefbahnhof gewonnen und ihn mit entworfen hat: dass der Bahnhof eventuell überschwemmt werden, oder aber auch, dass er „wie ein U-Boot aus dem Meer“ aufsteigen könne.

Stuttgarts Erde ist tückisch. Voller Wasser und Quellen, Gipsschichten mit hohem Anhydridanteil, also Mineralien, die aufquellen, Hohlräume, die unkontrollierbar Krater bilden können. Im badischen Staufen, wo die Erde zwecks Erdwärmegewinnung angepiekst wurde, hoben sich Häuser und bekamen Risse. In der Nähe von Stuttgart selbst muss derzeit ein Autobahntunnel aufwendig repariert werden, weil der Druck aus der Tiefe die Straße verformt. Otto: „Es ist wie bei einer roten Ampel, wenn da einer durchbraust, muss man ihn aufhalten.“

Ein geologisches Gutachten für die Deutsche Bahn von 2003, das bisher nur ein kleiner Personenkreis kannte, nicht aber Abgeordnete oder gar Stuttgarts Öffentlichkeit, bestätigt Frei Ottos Bedenken. Diese Studie des Ingenieursbüros Smoltczyk & Partner, die dem stern vorliegt, belegt, wie gefährlich Stuttgarts Untergrund ist: löchrig wie ein Käse, voller Dolinen und Hohlräume, sie zeigt, dass Bauarbeiten in diesem Grund enorm schwierig werden. Es lässt sich kaum abschätzen, wie lange sie dauern. Unkalkulierbar scheint zudem, wie viel die Arbeiten in diesem Untergrund kosten. „Mit dem Wissen von heute“, so Otto zum stern, „kann ich dieses Projekt nicht mehr verantworten. Ich würde auch nicht mehr in die Tiefe gehen, das wollte ich sowieso nie, das wollte der Auftraggeber“.

Der Tübinger Geologe Jakob Sierig, ein Spezialist für Anhydrid- und gipsführende Erdschichten, hat für das Magazin das Gutachten analysiert. Sein Befund: „Bei Stuttgart 21 geht es nicht um mögliche Risse in Häusern, es geht um mögliche Krater, in denen Häuser verschwinden können. Es geht um Menschenleben.“

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Über schwabenkrawall

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